Investmentbanken
Die Flughöhe nimmt ab

Die Investmentbanken sehen sich im vierten Quartal mit einer Verlangsamung ihres Geschäfts konfrontiert. Die Spannen zwischen Geld- und Briefkursen schrumpfen, und die Investoren schließen schon früh die Bücher. Im kommenden Jahr dürfte sich bei Deals, im Aktienhandel und bei Investitionen in ausfallgefährdete Kredite eine Belebung einstellen. Doch die wird nicht ausreichen, um niedrigere Einnahmen bei Festverzinslichen auszugleichen.
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Die Investmentbanken sehen sich im vierten Quartal mit einer Verlangsamung ihres Geschäfts konfrontiert. Die Kluft zwischen Geld- und Briefkursen schrumpft, und die Investoren schließen zum Jahresende früher als gewöhnlich ihre Bücher. Im kommenden Jahr dürfte sich bei Deals, im Aktienhandel und bei Investitionen in ausfallgefährdete Kredite wieder eine Belebung einstellen. Doch sie wird nicht ausreichen, um die niedrigeren Einnahmen im Segment Festverzinsliche, Devisen und Rohstoffe (FICC) auszugleichen.

Nach einem furiosen Start ins Jahr 2009 hat das Geschäft der Investmentbanken im dritten Quartal an Schwung verloren. Die außergewöhnlichen Umstände nach der Krise - als die Spreads sich weit aufblähten und das Handelsvolumen in den Himmel schoss - haben sich beruhigt. Und das vierte Quartal scheint noch ruhiger verlaufen zu sein. Morgan Stanley erwartet, dass die Einnahmen aus dem Großkundengeschäft branchenweit um 18 Prozent hinter dem Wert des dritten Quartals zurückbleiben werden. Trotz dieser Abschwächung wird dieses Jahr für die Investmentbanken immer noch als eines der besten überhaupt in die Geschichtsbücher eingehen.

Das kommende Jahr dagegen dürfte weniger lukrativ ausfallen. Da immer mehr Banken sich auf umsatzstarke, aber weniger bilanzintensive "Flow"-Geschäfte stürzen, werden die Margen für alle Beteiligten kleiner werden. Die Firmen, die in Mitleidenschaft gezogen worden waren, als die Liquidität austrocknete, haben die Fälligkeiten ihrer Verbindlichkeiten verlängert und werden daher einen geringeren Bedarf haben, im kommenden Jahr Schuldtitel zu begeben.

Andere Bereiche dürften sich dagegen wahrscheinlich erholen. So verbuchte zum Beispiel Goldman Sachs in diesem Jahr Einnahmen aus der Beratertätigkeit bei Fusionen, die sich lediglich auf dem im Jahr 2003 erzielten Niveau bewegten. Aber die Unternehmensabschlüsse sind auf dem Vormarsch. Zudem nehmen die Firmen nach wie vor Kapitalerhöhungen vor, um ihre Schulden abzubezahlen. Und es besteht Nachholbedarf bei Erstemissionen, besonders unter Unternehmen, die von Beteiligungsgesellschaften gestützt werden.

Doch selbst wenn diese Segmente sich in kräftiger Verfassung präsentieren, werden sie vermutlich die niedrigeren Einnahmen aus dem Handel und Verkauf von Bonds, Rohstoffen und Devisen nicht ersetzen können, auf die branchenweit in den ersten drei Quartalen 60 Prozent der Gesamtsumme entfallen waren.

Die zugrunde liegenden FICC-Einnahmen dürften im kommenden Jahr um rund ein Viertel zurückgehen, schätzt Morgan Stanley, auch wenn die Verringerung bei den berichteten Einnahmen weniger gravierend ausfallen dürfte, da es geringere Abschreibungen geben wird.

Dies bedeutet dennoch, dass die zusammengelegten Einnahmen aus dem Aktienhandel und dem Investment Banking um etwa ein Viertel steigen müssten, nur um dafür zu sorgen, dass die Einnahmen gleich bleiben. Doch nicht einmal die optimistischsten Banker gehen davon aus, dass das Deal-Fieber sich derart hochschaukeln wird.

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