Investmentbanken
Eine Schulter, auf die Banker sich stützen können

Société Générale, BNP Paribas und Unicredit sind die Letzen, die zeigen, dass der Wertpapierhandel im zweiten Quartal verdiente, was im Commercial Banking wertberichtigt werden musste. Diese Entwicklung ist verblüffend, wenn man sie mit der Situation vor einem Jahr vergleicht. Aber die Handelserträge werden kaum mit den Verlusten im Kreditgeschäft Schritt halten können.
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Investmentbanker, die sich den Spott vor ihren Fenstern gefallen lassen müssen, dürften zumindest aus der Nachbarabteilung im eigenen Haus bejubelt werden. Denn zumindest ist es ihnen gelungen, den wachsenden Wertberichtigungsbedarf zu stemmen, den ihre Brüder aus dem Commercial Banking im 2. Quartal verursacht haben. Die Entwicklung ist verblüffend, wenn man sie mit der Situation vor einem Jahr vergleicht, wie gerade erst BNP Paribas, Société Générale und Unicredit wieder bewiesen haben.

Die französischen und italienischen Universalbanken durchlaufen eine ähnliche Geschichte wie ihre US-amerikanischen und britischen Gegenstücke. Unicredits Nettoergebnis fiel im zweiten Quartal um 74 Prozent, nachdem der Wertberichtigungsbedarf sich - verglichen mit dem gleichen Vorjahreszeitraum - im zweiten Quartal vervierfachte. Kostensenkungen trugen dazu bei, dass der Verlust nicht ganz so dramatisch ausfiel, wie es Analysten prognostiziert hatten. Weitaus größer war allerdings die Unterstützung aus dem Investmentbanking, das nach einem Verlust im Vorjahr wieder Gewinne von 1,2 Milliarden Euro aus dem Wertpapierhandel ziehen konnte.

Bei BNPP und SocGen sieht es ähnlich aus. Obwohl bei BNPP die Erträge aus dem Kreditgeschäft und dem Rohstoffhandel seit dem ersten Quartal um 33 Prozent fielen, reichten die beeindruckenden Ergebnisse aus dem ersten Quartal, um das Gesamtjahr 2007 zu übertreffen und den steigenden Rückstellungsbedarf des gesamten Konzerns zu decken. Bei SocGen stieg zur gleichen Zeit die Zahl der notleidenden Kredite kontinuierlich an und erreichte am Ende des betrachteten Zeitraums 4,2 Prozent. Aber auch hier konnten der Wertpapierhandel die Verluste mehr als ausgleichen.

Die Kombination aus Investment und Commercial Banking galt schon immer als Instrument, um Cross-Selling-Effekte zu optimieren und die Vorteile der sogenannten "Originate-and-Distribute"-Strategie (Kreditschöpfung mit anschließender Verbriefung und Verkauf in Tranchen) voll auszuschöpfen. Jetzt können Kreditinstitute auch auf die Diversifikationseffekte verweisen, um eine Trennung der beiden Geschäftssparten à la Glass-Steagall weit von sich zu weisen.

Die Banken sollten die Vorteile genießen, solange es geht. Die Zentralbanken werden die Geldhähne noch nicht sobald zudrehen, dauerhaft werden sie aber auch nicht zur Verfügung stehen. Der Wettbewerb wird dafür sorgen, dass die Gewinne zusammenschmelzen, wenn sich die alten Investmentbankingrivalen erst wieder erholt haben und neue Konkurrenten auf den Markt drängen. Das Angebot an hochklassigen Unternehmensanleihen sinkt wieder und der Zinsspread zu US-Treasuries schmilzt zusammen. Auch am Aktienmarkt lässt die Dynamik wieder nach.

Die Kräfte, die die Verluste im Kreditgeschäft verursachen, wirken dagegen hartnäckiger. In Westeuropa nehmen Arbeitslosigkeit und Insolvenzen kleiner Firmen zu. In Osteuropa sieht es noch düsterer aus und die Abwertung der dortigen Währungen wird auch weiter im Westen spürbar sein.

Die Handelspositionen, auf die die Banken sich jetzt stützen, werden vielleicht schon bald nicht mehr verfügbar sein.

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