Investmentbanking
Die Überlebenden kämpfen um Marktanteile

Die Überlebenden des großen Umbruchs im Investmentbanking kämpfen fieberhaft um Wachstum. Der Versuch ist riskant – aber dessen sind sich die Banken zumindest bewusst.
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Marktanteile - und noch mehr davon - sind der letzte Schrei im Investmentbanking. Die Überlebenden des großen Umbruchs in der Branche kämpfen fieberhaft um Wachstum. Wie ernst es ihnen damit ist, zeigen die neuesten Personalbewegungen bei Deutsche Bank und Nomura.

Die Deutsche Bank holte die für das Investmentbanking verantwortlichen Spitzenmanager Michael Cohrs und Anshu Jain in den Konzernvorstand. Das Timing hat Bedeutung. Es zeigt, dass die Bank auch nach dem katastrophalen vergangenen Jahr weiter auf das Investmentbanking setzt - auch wenn sie ihr Privatkundengeschäft in Deutschland ausbauen will. Die Rückendeckung lässt Cohrs und Jain auch in den kleinen Kreis der potenziellen Nachfolger für Konzernchef Josef Ackermann aufsteigen, der den Posten nur noch etwa ein Jahr innehaben wird.

Auch Nomura macht deutlich, dass man dem Investmentgeschäft nach der Übernahme des Europageschäfts von Lehman Brothers weiter Gewicht beimisst, auch vor der zu erwartenden Expansion in die USA. Hiromi Yamaji, zuständig für das globale Investmentbanking, zieht von Tokio nach London um. Zum ersten Mal in der Unternehmens-Geschichte wird seine Position damit außerhalb Japans angesiedelt sein. Wie auch bei der Deutschen glaubt man bei Nomura an rosigere Aussichten jenseits des lokalen Einlagen- und Kreditgeschäfts.

Die Krise hat bei vielen Banken dazu geführt, dass die Bereitschaft und die Fähigkeit, Beratungs-, Finanzierungs- und Handelskapazitäten anzubieten, deutlich nachgelassen hat. Für die letzten Aufrechten ist es also absolut sinnvoll, in die Bresche zu springen und die Lücke zu schließen.

Im Augenblick wirkt das Geschäft durchaus verlockend. Die Gebühren, die Investmentbanken erheben, um ihr Risiko zu kompensieren, sind in die Höhe geschossen - eine kuriose Vorstellung, die während des Booms schon fast in Vergessenheit geraten war. Springen allerdings zu viele Konkurrenten auf diesen Zug - selbst wenn die Zahl überschaubar bleibt - riskieren sie, sich in den alten Fallstricke zu verfangen.

Genau das ist es aber, was die Personalbewegungen an der Spitze von Nomura und Deutsche Bank so bedeutsam macht. Als Konzernvorstände erhalten Cohrs und Jain einen größeren Überblick über das Gesamtrisiko der Deutschen Bank. Yamaji bringt eine gelassenere Perspektive in ein einflussreicheres Finanzzentrum. Es sieht also ganz danach aus, dass diese beiden Banken verstanden haben, dass das Rennen um Marktanteile allein so seine Gefahren birgt.

Selbst die Überlebenden haben den Hauch des Todes gespürt - bis jetzt jedenfalls wirkt der Schrecken noch nach.

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