Island
Auf dünnem Eis

In letzter Minute will Island seine Landeswährung an den Euro koppeln. Dies dürfte dazu beitragen, die schwer angeschlagene Wirtschaft des Landes zu stabilisieren. Weniger gut ist der Einfall, sich einen Kredit über vier Milliarden Euro aus Russland zu besorgen. Denn damit sind heikle Bedingungen verknüpft.

Island sollte sich an den Internationalen Währungsfonds (IWF) wenden, nicht an Russland. Nachdem die zweitgrößte Bank des Landes, Landsbanki, über Nacht zusammengebrochen war und die Landeswährung dezimiert wurde, ist die Regierung endlich aufgewacht. Sie hat die isländische Krone bei 131 ikr an den Euro gekoppelt, nachdem sie sich am Montag bereits auf fast 200 ikr zum Euro abgeschwächt hatte, und sie sieht sich nach Devisenreserven um. Das ist eine gute Idee. Weniger gut ist der Einfall, den Hut in Russland herumzureichen.

Eine Währungsanbindung wird den isländischen Verbrauchern eine Ruhepause verschaffen, die sich allerdings immer noch damit auseinander setzen müssen, dass die Krone gegenüber dem Euro in diesem Jahr bereits um 35 Prozent gefallen ist. Viele Isländer mit auf Euro lautenden Krediten haben bereits unter stark steigenden Zinskosten gelitten, während die inländischen Zinsen auf 15 Prozent und die Inflation auf 14 Prozent geklettert waren. Das hat auch die isländischen Banken getroffen, auch wenn Landsbanki letztendlich auf die gleiche Weise wie Lehman Brothers gescheitert war: Die Kapitalgeber weigerten sich, ihr weitere Kredite einzuräumen.

Aber den Wechselkurs der Krone festzulegen, bedarf starker finanzieller Verteidigungsmechanismen. Sonst werden die Händler so lange gegen die Ankopplung wetten, bis sie nachgibt. Die Krone würde erneut kollabieren und Island hätte Mühe, ihre - dann viel größere - Staatsschuld abzutragen. Ein Zahlungsverzug könnte die Folge sein.

Eine Lösung könnte darin bestehen, Kontrollen über das Kapital, das nach Island fließt, einzuführen, wie dies einige Schwellenländer tun, um ihre Landeswährungen zu schützen. Aber genau so wie ein Zahlungsverzug auf die Staatsschuld, würde dieser Schritt das Wachstum einschränken. Eine andere Möglichkeit wäre es, die Devisenreserven des Landes, die magere 4,5 Mrd. Euro betragen, aufzupolstern.

Ein Kredit über vier Mrd. Euro von Russland könnte in finanzieller Hinsicht durchaus sinnvoll sein - auch wenn die russischen Bürger angesichts der wackligen Finanzlage ihres Landes anders darüber denken mögen. Aber er würde strategische Verwerfungen nach sich ziehen. Island ist schließlich Nato-Mitglied. Und Russland würde wahrscheinlich eine Gegenleistung für einen Kredit verlangen, der fast ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts des kleinen Inselstaats umfasst. Die USA würden sich Sorgen darüber machen, dass ein solches Vorgehen schließlich zu einer militärischen Präsenz Russlands im Nordatlantik führen könnte.

Ein Darlehen vom IWF wäre viel besser. Auch dieses wäre an Bedingungen geknüpft, allerdings wären diese vernünftig und finanzbezogen, nicht strategisch und gefährlich. Ohnehin sind rigide Inflationsziele und Budgeteinschränkungen notwendig, um die schwer beschädigte Wirtschaft Islands wiederzubeleben. Ein alarmiertes Amerika könnte den IWF dazu drängen, einen guten Deal anzubieten. Wenn sich Island nicht selbst zur Schachfigur im geopolitischen Machtspiel degradieren will, sollte das Land den IWF mit offenen Armen empfangen.

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