IT
Dell greift tief in die Tasche

Dell erwirbt Perot Systems für 3,9 Mrd. Dollar - das entspricht einem Aufschlag um happige 68 Prozent. Entfernt erinnert der Deal an den Kauf von EDS durch den Dell-Konkurrenten HP. Der Computerhersteller scheint darauf zu setzen, durch ein größeres Engagement bei IT-Dienstleistungen seiner Unentschlossenheit zu entkommen.
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Dell muss für seine Suche nach Orientierung tief in die Tasche greifen. Der US-Computerhersteller kauft für 3,9 Mrd. Dollar Perot Systems - das entspricht einem Aufschlag um happige 68 Prozent. Entfernt erinnert der Deal an die 13,9 Mrd. Dollar schwere Übernahme von EDS durch den Konkurrenten Hewlett-Packard (HP) im Mai. Beide IT-Dienstleister haben sogar denselben texanischen Gründervater: den einstigen US-Präsidentschaftskandidaten Ross Perot. Der Unterschied aber liegt darin, dass HP eine Firma ersten Ranges gekauft hat und die Zahlen plausibel waren. Dell dagegen zahlt zu viel für ein Unternehmen aus der zweiten Reihe.

Dell ist der Ansicht, mit der Zusammenlegung Kostenkürzungen über 300 Mill. Dollar in Bereichen wie der Beschaffung erzielen zu können. Darüber hinaus rechnet der Computerhersteller damit, Einnahmensynergien aus dem Verkauf zusätzlicher Computerausrüstungen an die Kunden von Perot zu erreichen. Beide Behauptungen erscheinen fragwürdig. Zwischen den beiden Unternehmen lassen sich nur geringe Überschneidungen ausmachen, Kostenkürzungen werden also schwer umzusetzen sein. Und Einnahmensynergien werden bei Fusionen zwar oft versprochen, aber nur selten geliefert.

Auch die Investoren scheinen eindeutig skeptisch zu sein, was die Schaffung von Werten angeht. Im frühen New Yorker Handel am Montag verlor die Marktkapitalisierung von Dell 1,5 Mrd. Dollar, was fast dem Aufschlag von 1,7 Mrd. Dollar entspricht, den Dell zu zahlen bereit ist.

Anders betrachtet gehen Marktbeobachter davon aus, dass Perot im Jahr 2010 Gewinne über rund 200 Mill. Dollar schreiben dürfte. Bereinigt man den Kaufpreis um den Netto-Cash in den Büchern, dann könnte Dell eine Anlagenrendite von etwa fünf Prozent einfahren - das liegt wahrscheinlich unter den Kapitalkosten der beiden Firmen.

Ein größeres Problem dürfte jedoch hinsichtlich der strategischen Herausforderungen von Dell bestehen. Das Unternehmen hatte mit großem Erfolg Pionierarbeit darin geleistet, billige und schmucklose Computer in Einzelfertigung anzubieten. Aber PCs sind so billig geworden, dass der Preisvorteil von Dell mittlerweile minimal ist. Das Unternehmen sucht daher nach einem neuen Ansatz.

Kunden wollen unbedingt IT-Systeme, die funktionieren. Daher erscheint es vernünftig, dass Dell im Bereich IT-Dienstleistungen aufrüsten will, um im Wettbewerb mit IBM und HP besser abzuschneiden. Unglücklicherweise ist der Pool an Unternehmen in diesem Sektor bereits gründlich abgefischt worden. Selbst wenn Dell Perot Systems mit Erfolg steuern kann, werden die IT-Services-Abteilungen der beiden großen Rivalen immer noch viel größer sein.

Weitere Akquisitionen erscheinen daher wahrscheinlich - und tatsächlich hat Dell verlauten lassen, weitere Vermögenswerte "anschrauben" zu wollen. Noch mehr kleinere Unternehmen zu hohen Preisen zu kaufen, mag die Ziellosigkeit des Unternehmens verschleiern. Aber es bedarf schon radikalerer Schritte, um einen neuen Kurs festzulegen.

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