IT
Microsoft bessert sich

Die Investoren und die Nutzer erwarten nicht sonderlich viel von Microsoft. Doch der Softwareriese hat auf fast allen Fronten - von seiner Suchmaschine bis hin zu den bohrenden kartellrechtlichen Auseinandersetzungen - Fortschritte erzielt. Das neue Betriebssystem der Firma könnte sogar eine angenehme Überraschung bieten.
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Wenn der Schlüssel zur Zufriedenheit darin liegt, keine großen Erwartungen zu hegen, dann müssten die Kunden und Investoren von Microsoft eigentlich überglücklich sein. Die meisten Nutzer des Softwareriesen haben die Einführung von Vista, dem letzten großen Betriebssystem der Firma, einfach übersprungen. Und die Aktien des Unternehmens schmoren schon seit einem Jahrzehnt im Fegefeuer.

Und doch hat die Gruppe an einer Vielzahl von Fronten Fortschritte erzielt. Die neue Such-Site Bing hat ihre Marktanteile ausgebaut; in der Partnerschaft mit Yahoo hat Microsoft die Oberhand gewonnen; und das Unternehmen scheint sogar nahe daran zu sein, seine bohrenden kartellrechtlichen Auseinandersetzungen mit der Europäischen Kommission beizulegen. Jetzt bereitet sich die Gruppe gerade darauf vor, das neue Betriebssystem Windows 7 auf den Markt zu bringen. Angesichts der jüngsten Erfolgsbilanz des Unternehmens wäre selbst ein milder Treffer schon eine angenehme Überraschung.

Das neue Betriebssystem scheint beträchtlich besser zu sein als Vista, auch wenn die Werbung dafür einfach nur idiotisch ist. Ein Microsoft-Video für begeisterte Anhänger, die zur Einführung von Windows 7 Partys veranstalten wollen, hat auf YouTube für unverhoffte Heiterkeitsstürme gesorgt. Davon einmal abgesehen, ist Windows 7 schneller in Gang zu bringen und anscheinend weniger anfällig für unvorhergesehene Verzögerungen.

Allerdings dürfte der globale Absatz in diesem Jahr um rund ein Prozent sinken und dann im kommenden Jahr um neun Prozent steigen, prognostiziert die Research-Gruppe IDC. Selbst der immer so überschwängliche Microsoft-Chef, Steve Ballmer, räumte ein, dass die Auswirkungen von Windows 7 auf den PC-Absatz "nicht immens" ausfallen werden. Wall Street-Analysten stimmen dem zu und erwarten, dass der Umsatz von Microsoft für das Geschäftsjahr per Juni 2010 stagnieren dürfte.

Doch man bedenke: Es gibt weltweit mehr als 1,2 Mrd. installierte PCs. Nach Analystenschätzungen nutzt davon nur ein Fünftel das Betriebssystem Vista. Für jeweils zwei Prozent der Nutzer, die auf Windows 7 hochrüsten, ohne neue Rechner zu kaufen, würde Microsoft bis zu einer Mrd. Dollar an zusätzlichen Einnahmen einfahren, rechnet die Deutsche Bank vor.

Darüber hinaus nutzen rund vier Fünftel der PCs das vor acht Jahren eingeführte System XP oder noch ältere Betriebssysteme. Wenn sich die Unternehmen erst einmal an das neue System gewöhnt haben, werden viele auch neue Rechner wollen - und sei es nur deswegen, weil der durchschnittliche PC älter als sechs Jahre ist, was einen Rekord darstellt.

Doch den Investoren scheint dies gleichgültig zu sein. Im Verlauf des vergangenen Jahres haben die Microsoft-Aktien im Wesentlichen den S&P 500-Index nachgebildet. Die Papiere werden zum 15fachen der für das Geschäftsjahr per Juni 2010 geschätzten Ergebnisse gehandelt, was einem leichten Abschlag gegenüber dem Gesamtmarkt entspricht.

Im schlimmsten Fall, also wenn Windows 7 sich genau so lustlos wie sein Vorgänger entwickelt, dann bieten zumindest die soliden Finanzen des Unternehmens eine große Stütze: Die liquiden Mittel liegen bei netto 25 Mrd. Dollar und der freie Cash Flow bei etwa 18 Mrd. Dollar für die kommenden zwölf Monate. Aber wenn Windows 7 abhebt, dann würden die Microsoft-Aktien folgen.

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