Italienische Banken
Italienische Banken: Erkaufte Unabhängigkeit

Unicredit hat eine Kapitalerhöhung über 4 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Damit sollte der Kapitaldurst der Bank gestillt sein. Indessen erkauft sich Intesa mit der Abgabe von Hybridpapieren im Wert von 1,5 Milliarden Euro größere Flexibilität. Beide Banken haben es geschafft, eine Einflussnahme von außen zu vermeiden.
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In der Finanzierungstheorie gehen Kapitalerhöhungen mit Kurssenkungen der Emittenten einher. Aber die Kurse der jüngsten beiden europäischen Banken, die eine Kapitalerhöhung angekündigt haben, stiegen. Bei so frivolen Marktbedingungen ist es erstaunlich, dass keine der beiden großen italienischen Banken sich bisher an die Aktionäre gewendet hat, um zu vermeiden, beim Staat Zuflucht suchen zu müssen.

Intesa und Unicredit spielten beide mit dem Gedanken 4 Milliarden Euro in Form von sogenannten Tremonti-Bonds aufzunehmen. Benannt sind die Kreditpapiere nach dem italienischen Finanzminister Giulio Tremonti. Beide Banken hatte zuvor angekündigt, mithilfe entsprechender Kapitaltransaktionen Steuermittel zurückzahlen zu wollen. Aber keine von beiden fand für ihre Kapitalbedürfnisse eine ähnlich klare Lösung wie die französische BNP Paribas mit ihrer Kapitalerhöhung vom 29. September.

Intesa will Hybridpapiere emittieren, wie schon einige andere europäische Banken zuvor. Damit kann sie zwar ihre Tier-1-Kapitalquote erhöhen, die Tier1-Kernkapitalquote, die zunehmend in den Fokus der Aufsichtsbehörden rückt, bleibt davon aber unberührt; anders als die Tremonti Bonds, die zum Kernkapital gezählt hätten. Hinzu kommt, dass die 1,5-Milliarden-Euro-Emission kleiner ist als die diskutierte Tremonti-Transaktion. Damit steigt der Druck auf Intesa, mit dem Verkauf von Aktiven wie geplant fortzufahren.

Unicredit hat sich dagegen mit einer Kapitalerhöhung für einen sichereren Weg entschieden. Aber die Feinheiten der italienischen Börsenaufsicht könnten den Deal bis in den kommenden März hinein verzögern. Der zurzeit lebhafte Aktienmarkt hat wahrscheinlich dazu beigetragen, die Konsortialbanken davon zu überzeugen, Anteile zu übernehmen. Durch den Vorlauf von einigen Monaten kann Unicredit vielleicht auch noch den Umfang der Emission reduzieren, falls die Ergebnisse der Bank besser als erwartet ausfallen oder sie sich doch noch von Vermögenswerten trennt. Das allerdings scheint gegenwärtig nicht geplant zu sein.

Noch sind die Konditionen der Kapitalerhöhung nicht veröffentlicht, die Aktienkurse könnten also noch verwässert werden. Das allerdings scheint die Investoren zurzeit nicht zu kümmern. Sie trieben die Kurse der beiden Banken gleich nach Bekanntwerden der Kapitalpläne um 1,5 Prozent nach oben - der Marktwert der Unternehmen stieg damit um fast eine Milliarde Euro.

Alessandro Profumo von Unicredit und Corrado Passera von Intesta können sich freuen. Ihre Versuche, sich den Staat vom Leibe zu halten, scheinen sich auszuzahlen. Tremonti wird seine Wunden lecken müssen.

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