Italienischer Energiegigant
Eni und die Libyer

Nach ihrem Einstieg bei Unicredit wollen die Libyer sich jetzt auch einen Anteil am italienischen Energiegiganten sichern. Die Beziehungen zwischen Italien und seiner früheren Kolonie sind inzwischen nicht mehr so heikel, und Freunde unter ölreichen Ländern zu haben, kann auch nicht schaden. Aber die Eni-Aktionäre sollten sich darüber im Klaren sein, dass der libysche Partner schwer zu berechnen ist.

Italien war, anders als seine europäischen Nachbarn, nie abgeneigt, mit seiner früheren Kolonie Libyen auf Kuschelkurs zu gehen. Und unter dem neuen italienischen Premier, Silvio Berlusconi, findet die besondere Beziehung zwischen den beiden Ländern fruchtbaren Boden. In diesem Jahr übernahm Libyen einen Anteil an Unicredit, einer der größten italienischen Banken, und dachte öffentlich darüber nach, sich auch an Telecom Italia zu beteiligen. Jetzt steht dem Land der Sinn nach einem Stück von Eni, dem italienischen Energiegiganten.

Die libyschen Vorstöße erfolgen, seit Berlusconi im August ein Abkommen mit dem libyschen Staatschef Muammar Gadafi unterzeichnete. Der Vertrag sieht nicht näher benannte Kompensationsleistungen für drei Jahrzehnte strenger Kolonialherrschaft vor. Ein zur gleichen Zeit veröffentlichter Bericht des Internationalen Währungsfonds sorgte für zusätzliche Impulse. Der Report lobte die Transparenz und das Management des 50 Milliarden Dollar schweren staatlichen libyschen Investitionsfonds, machte aber gleichzeitig deutlich, dass der Fonds anfangen müsse, außerhalb Nordafrikas zu investieren.

Italien ist libyschen Anlegern vertraut und Investitionen sind in Italien auch möglich. Seit die UN-Sanktionen im Jahr 2003 aufgehoben wurden, hat Libyen eine Reihe struktureller Reformen auf den Weg gebracht und seinen Wandel zum sogenannten "Volkskapitalismus" beschleunigt. Aber immer noch haftet der Ruf des früheren Paria-Staats an dem Land. Nicht überall ist Libyen als Freund willkommen, Italien bildet hier noch immer eine Ausnahme. Eni zum Beispiel ist seit 1959 ununterbrochen in Libyen vertreten und erzeugt dort inzwischen 15 Prozent seiner Produktion.

Schon allein aus diesem Grund scheint Libyens Interesse an einem 10prozentigen Anteil an Eni - mit einem Wert von rund 7 Milliarden Euro - vorteilhaft für beide Seiten. Eni kann durch die Beteiligung auf einen Sonderstatus in Libyen hoffen. Auch für Gadafi selbst könnte der Deal zu einem guten Geschäft werden. Eni wird zurzeit deutlich unterhalb seiner langfristigen Kurs-Buchwert- und Kurs-Gewinn-Verhältnisse gehandelt. Gegenüber einigen Unternehmen seiner Vergleichsgruppe schnitt der Eni-Konzern in diesem Jahr sogar noch um 10 Prozent schlechter ab. Aber seine Cash-bringende, versorgerähnliche Gas- und Stromeinheit könnte sich in den kommenden Monaten als Segen erweisen. Und auch Enis Dividende gilt als relativ sicher.

Libyens Entscheidung, sein Interesse an Eni öffentlich bekanntzugeben, entspricht vielleicht nicht den modernen Transparenzstandards, zeigt aber, dass das Land auf der guten Seite der italienischen Regierung bleiben möchte. Darüber hinaus behält Italien de facto über seinen 30-Prozent-Anteil die Kontrolle über Eni.

Bleibt Gadafi. Er hat vielleicht dem Terrorismus abgeschworen, aber Libyen hat den Ruf ein unberechenbarer Geschäftspartner zu sein. Es ist vielleicht gut, sich daran zu erinnern, dass Libyen sich aus einem früheren großen Italien-Engagement - Fiat - mit einem Handstreich übers Wochenende verabschiedet hat.

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