iTunes-Preise
Analyse: Ein gefährlicher Unterton

Apple senkt auf Druck der Wettbewerbsbehörden die Preise für das Herunterladen von Musik aus ihrem britischen iTunes-Shop und gleicht diese europaweit an. Damit hat das Unternehmen drohende Gerichtsverfahren und Geldstrafen abgewendet. Aber der iPod-Hersteller sieht sich einem weiteren, viel bedeutenderen Angriff der EU-Aufsicht auf die exklusive Verbindung zwischen iTunes und iPod gegenüber.

Die EU-Wettbewerbsbehörde war traditionell schon immer auf der Hut, sich in Einzelhandelspreise zu verstricken. Aber sie hat Apple dazu überredet, die Preise für den Download von Musik in ihrem britischen iTunes-Shop zu senken. Das kam überraschend. In ihrem langwierigen Verfahren gegen Microsoft hatten die Wettbewerbshüter den Software-Riesen dazu gezwungen, eine Version von Windows ohne dessen Media-Player herauszugeben. Aber sie hatten es abgelehnt, Microsoft vorzuschreiben, wie viel das Unternehmen für die neue Variante verlangen soll – aus Angst, die Gerichte könnten Anstoß an einer solchen Forderung nehmen. Microsoft verlangte für das abgespeckte Produkt denselben Preis wie für Windows inklusive Media-Player und der Absatz stellte sich – wenig überraschend – als kümmerlich heraus.

Gegenüber Apple haben die Kartellbehörden ein wenig an den Gesetzen gedreht, um sicherzustellen, dass das Ergebnis kundenfreundlich ist. Das Kartellverfahren hatte sich ursprünglich darauf konzentriert, ob Apple mit den vier weltgrößten Musikverlagen gemeinsame Sache macht. Aber die EU-Vertreter kamen zu dem Ergebnis, dass die Musikgesellschaften nichts Gesetzeswidriges unternommen hatten. Dann versuchten die Wettbewerbshüter, Apple des Verstoßes gegen den Europäischen Binnenmarkt, der es den Kunden erlaubt, überall in der Gemeinschaft der 27 Staaten einzukaufen, zu überführen. Doch sie mussten schließlich der Behauptung von Apple Glauben schenken, unterschiedliche iTunes-Läden seien in Europa unabdingbar, um den unterschiedlichen nationalen Copyright-Gesetzen Rechnung zu tragen. Durch die jetzige Einigung bleiben die unterschiedlichen Online-Shops unangetastet. Britische Kunden können immer noch nicht im französischen iTunes-Geschäft einkaufen.

Brüssel hielt aber immer noch an einem einheitlichen, niedrigeren Preis für das Herunterladen von Musik in ganz Europa fest. Apple gab nach. Das Unternehmen will damit offensichtlich mögliche, weitaus gefährlichere kartellrechtliche Strafen abwenden. Eine Übereinkunft mit der EU bedeutet, dass es für die Kunden schwierig werden wird, Apple gerichtlich dazu zu zwingen, zuviel für einen Download gezahltes Geld zu erstatten.

Aber diese aufsichtsbehördliche Balgerei ist nicht die Hauptsache. Es hätte viel bedeutendere Konsequenzen, wenn die Wettbewerbsaufsicht Apple zwingen würden, iTunes zu öffnen. Derzeit funktioniert die Musiksoftware von Apple nur auf den unternehmenseigenen iPods gut. Damit wird auch sichergestellt, dass das Apple-Gerät gegenüber anderen Abspielgeräten einen beträchtlichen Wettbewerbsvorteil hat. Einige EU-Vertreter haben schon ihr Unbehagen gegenüber diesem geschlossenen System zum Ausdruck gebracht. Es steht den Kartellwächtern frei, ein neues Verfahren gegen Apple anzustrengen. Wenn sie so aggressiv vorgehen wie bei der Untersuchung zu den Musikdownloads, dann wird Steve Jobs kartellrechtlich richtig der Marsch geblasen werden.

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