IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn
Bilanzbereinigung: Bringt es zu Ende

IWF-Chef Strauss-Kahn fordert größere Anstrengungen von den G20-Nationen, die Bilanzen ihrer Banken zu bereinigen. Ausgerechnet die USA hinken halbherzig hinterher. Amerika muss jetzt zwei Dinge anpacken.
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Die USA sollten den Warnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) über toxische Vermögenswerte Beachtung schenken. Dabei hat IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn Amerika gar nicht namentlich hervorgehoben. Vielmehr sagte er in einem Interview mit der "Financial Times", die G20-Nationen hätten noch nicht genug getan, die Bilanzen ihrer Banken zu bereinigen. Immerhin seien aber in einigen Ländern, wie in Großbritannien und der Schweiz, gute Fortschritte erzielt worden. Aber das Epizentrum der globalen Bankenkrise liegt nun einmal in den USA. Doch Amerika hat bisher nur einen halbherzigen Plan vorgelegt. Und der Großteil der Länder auf dem europäischen Festland verweigert sich weiterhin.

Die Freude, mit der die Aktienmärkte in der vergangenen Woche den Plan von Tim Geithner begrüßt haben, könnte sich am Ende dennoch als berechtigt herausstellen. Der US-Finanzminister hatte ein Programm vorgestellt, mit Hilfe dessen Vermögenswerte aus der Vergangenheit aus den Bilanzen entfernt werden können. Doch Geithners Wurf war noch nicht kraftvoll genug.

Geithner will privaten Investoren billige Finanzierungen ohne Regressmöglichkeit bereitstellen, um sie so zum Kauf verseuchter Vermögenswerte zu animieren. Aber die Marktkurse hypothekenbesicherter Wertpapiere und ähnlicher Konstrukte haben sich seit der Ankündigung des Vorhabens nicht stark nach oben bewegt. Dies lässt darauf schließen, dass Banken große Einbußen in Kauf nehmen müssten, wenn sie diese Papiere verkauften. Viele Institute bewerten ihre Vermögenswerte nämlich immer noch über den Marktwerten. Daher könnte die Bereitschaft der Banken gering sein, sich an dem Programm zu beteiligen.

Um den Erfolg sicher zu stellen, muss Geithner möglicherweise noch zwei Dinge auf den Weg bringen. Zunächst muss er die Banken vielleicht mit aller gebotenen Überredungskunst zu einem Verkauf breit schlagen. Sheila Bair, die Leiterin des US-Einlagensicherungsinstituts, hat in dieser Richtung schon Andeutungen gemacht. Aber es ist ein kleiner Unterschied, ob ich etwas andeute oder ob ich etwas bewege.

Zweitens wird sich Geithner darauf einstellen müssen, die Tresore der Banken wieder mit neuem Kapital aufzufüllen. Im Zusammenhang mit den derzeitigen Belastungstests der Bankbilanzen hat der US-Finanzminister bereits unterstützendes Kapital in Aussicht gestellt. Geithner hat die öffentlich-private Partnerschaft und die Verabreichung neuer Geldspritzen denn auch bildhaft als zwei Blätter einer Schere dargestellt, mit der dieses toxische Problem in Stücke geschnitten werden kann. Der Haken daran ist, dass Geithner dem US-Kongress vielleicht keine weiteren Mittel mehr abringen kann, solange sich die Kongressmitglieder in ihre Wut auf die Banker hineinsteigern.

Mit ein bisschen Glück werden die Amerikaner ihren Plan zu Ende bringen - und die anderen Länder werden sich stärker sputen. Aber bis dies eintritt, hat Strauss-Kahn Recht, wenn er den Druck aufrecht erhält.

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