IWF
Der IWF als sichere Bank

Die Finanzminister der sieben führenden Industriestaaten, die sich in Washington treffen, um über die Finanzkrise zu beraten, könnten dem Internationalen Währungsfonds (IWF) neuen Auftrieb geben. Aber einen internationalen Konsens herzustellen, ist bekanntlich schwer. Und die zuständigen Behörden hinken immer noch hinter den Ereignissen her.

Dies könnte der entscheidende Moment für den Internationalen Währungsfonds (IWF) sein. Nachdem die Finanzminister der großen Industriestaaten dem Fonds Jahre lang rituell ihre Huldigung dargebracht haben, sich aber um seine Erklärungen kaum gekümmert haben, sehen sie plötzlich ihre Rettung in der betagten Institution. In den kommenden Tagen werden in Washington Vorschläge diskutiert, wie man die gegenwärtige Finanzkrise in den Griff bekommen und die nächste verhindern kann. Aber die Geschichte internationaler Organisationen legt nahe, dass eine Übereinkunft über effektive Vorgehensweisen schwer zu erreichen und noch schwerer umzusetzen ist.

Um fair zu sein, umgibt ein ungewöhnliches Gefühl der Dringlichkeit dieses IWF-Treffen. Die jüngsten Ereignisse haben auf grausame Weise die Effektivität fast jedes offiziellen Pfeilers des Finanzsystems in Frage gestellt. Angefangen bei dem Gestrüpp an Bilanzierungsregeln hinsichtlich der Abschreibungen bis zum Schutzdach des IWF selbst, ist das Ausbleiben eines abgestimmten grenzüberschreitenden Vorgehens peinlich deutlich zu erkennen.

Jetzt zeichnet sich langsam eine Reaktion ab. Ehrwürdige Gremien wie das Financial Stability Forum (FSF) – eine Versammlung von Spitzenaufsichtsbeamten und Finanzgrößen – haben sich die Finger wund geschrieben. In Washington werden die Minister auf ihre Lieblingsprojekte drängen - wie etwa die Einführung von Standardvorlagen dafür, wie die Banken ihre Abschreibungen offen legen müssen oder dass sich der IWF eher mit der multilateralen statt mit der nationalen Aufsicht beschäftigen müsse.

Aber die Risse treten offen zu Tage. Der IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn hat sich mit den Amerikanern angelegt, indem er ihnen vorgeworfen hat, nicht schnell genug dem Financial Sector Assessment Programme zur umfassenden Bewertung der aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen sowie der Krisenresistenz der Finanzsektoren der Mitgliedsländer, das vom IWF und der Weltbank geleitet wird, beigetreten zu sein. Die USA haben gewohnheitsmäßig die IWF-Analysen zur amerikanischen Politik ignoriert, und diese Haltung dürfte sich in einem Wahljahr auch kaum ändern. Die Vorschläge der britischen Regierung, die politische Kontrolle über den IWF zu verstärken und eine offizielle Koordinierungsstelle zwischen dem Fonds und dem FSF einzurichten, riechen nach einem hastig zusammen gebastelten internationalen Super-Aufseher.

Darüber hinaus haben viele dieser Ideen ein bisschen zu lange auf sich warten lassen. Die Behörden werden schon Olympia reifes Tempo vorlegen müssen, um die Ereignisse noch einzuholen, ganz davon zu schweigen, bei Ausbruch der nächsten Krise einen Vorsprung zu haben. Doch der Instinkt, sich an den IWF zu wenden, ist richtig. Dem Fonds ist genug Autorität geblieben und er ist als Treffpunkt ausreichend neutral. Die Minister haben die Gelegenheit, dem IWF zu neuem und wirksamem Auftrieb zu verhelfen. Sie sollten sie nicht ungenutzt verstreichen lassen.

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