Japan-China-Gipfel
Lieber Tee als Elvis

Der chinesisch-japanische Gipfel hat nur bedingt zu der Verbesserung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern beigetragen. Doch die Synergien zwischen den beiden Volkswirtschaften sind immens. Während die USA sich in der Rezession befinden, könnte es den beiden asiatischen Staaten gelegen kommen, engere Verbindungen zueinander zu knüpfen. Dies könnte zu einer dramatischen Verlagerung des weltweiten wirtschaftlichen Gleichgewichts führen.

Die beiden Staaten sind übereingekommen, ihre bilateralen Beziehungen zu verbessern und jährliche Gipfeltreffen abzuhalten. Auch in der Frage der umstrittenen Erdgasfelder in der ostchinesischen See wurden Fortschritte erzielt. Während diese Vereinbarungen zwar moderat ausgefallen sind, so markieren sie dennoch einen wichtigen Wechsel des politischen Kurses, der unter dem japanischen Regierungschef Junichiro Koizumi von gegenseitigen Feindseligkeiten geprägt war, die offen zur Schau getragen worden waren. Koizumi war gegenüber China misstrauisch und hegte eine Vorliebe für die USA, und hatte keine Scheu, seine Ambivalenz deutlich zu machen, etwa indem er sein Faible für Elvis Presley bekannte und regelmäßig den Yasukuni-Schrein besuchte, der auch den japanischen Kriegsverbrechern des Zweiten Weltkriegs gewidmet ist.

Wirtschaftlich gesehen haben sich China und Japan viel zu bieten. In beiden Ländern herrscht Rohstoffknappheit, beide verfügen über ein starkes verarbeitendes Gewerbe. Die relative Knappheit an Arbeitskräften in der alternden japanischen Gesellschaft, sein großartiges Bildungssystem und der Überschuss an Erwerbsfähigen in China machen aus beiden Staaten geborene Partner. Japan ist bereits der zweitgrößte Handelspartner Chinas. China hat Japan 2007 als größten Handelspartner der USA überholt.

China und Japan verfügen zusammen über eine Bevölkerung von 1,4 Milliarden Menschen. Das sind mehr als doppelt so viele wie in der EU oder in den Mitgliedsstaaten des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta). Ihr gemeinsames Bruttoinlandsprodukt zu marktgängigen Wechselkursen betrug 2007 mit 8,4 Bill. Dollar zwar nur die etwa die Hälfte dessen der EU oder des Nafta, aber es hat im vergangenen Jahr um sieben Prozent zugelegt. Selbst ein lockerer bilateraler Handelsverband könnte sich als einflussreicher wirtschaftlicher Machtfaktor entpuppen. Eine Wirtschaftunion à la EU, die vielleicht sogar Nachbarn wie Korea, Taiwan und Vietnam umfasst, sieht weit hergeholt aus. Falls sie jedoch jemals Gestalt annähme, könnte sie sich zur weltweit führenden Wirtschaftsmacht entwickeln.

Japan und China werden durch eine beiderseitig schwierige Geschichte belastet. Doch dies war schließlich auch zwischen Frankreich und Deutschland der Fall, bevor die beiden Länder aufgrund ihrer Ablehnung weiterer Feindseligkeiten nach dem Krieg die Vorläufer der heutigen EU ins Leben riefen. Derzeit liegen keine solch zwingenden politischen Anforderungen vor, um China und Japan davon zu überzeugen, eine Allianz einzugehen. Aber wenn die wirtschaftlichen Vorzüge eines Zusammenschlusses schließlich verlockend genug sind, um die politischen Hürden zu überwinden, dann könnten die Länder der „Teezeremonie“ die ganze Welt bezwingen.

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