Japanische Banken
Wachstum weltweit?

Es sieht vernünftig aus, dass Mitsubishi UFJ die Minderheitsbeteiligung an der Union Bank of California, die sich noch nicht in ihrem Besitz befand, gekauft hat. Aber MUFJ hat Abschreibungen auf US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität („Subprime“) und verbriefte Vermögenswerte über 2,9 Mrd. Dollar vornehmen müssen. Das entspricht den Gewinnen, die Union in fünf Jahren eingefahren hat. Da sich in Asien bessere Gelegenheiten und Banken mit weniger unsicheren Bilanzen finden lassen, sollten die japanischen Institute sich vielleicht auf jene Region konzentrieren.

Was Vermögenswerte im US-Bankensektor attraktiv macht, liegt auf der Hand. Die Preise liegen weit unter dem Niveau des Vorjahres. Japanische Banken, die ihre Kapitalbasis nach ihren Schwierigkeiten in den neunziger Jahren wieder aufgebaut haben, sind daher natürlich versucht, auf dem weltgrößten Finanzmarkt weiter vorzurücken. Anders als beim Erwerb von Golfplätzen und Bürogebäuden haben die japanischen Käufer auf dem Finanzsektor auch durchaus einiges vorzuweisen. Die Union Bank war 1988 für 750 Mill. Dollar übernommen worden. Im Zuge der Fusion zwischen Bank of Tokyo und Mitsubishi Bank war die First California Bank hinzugekommen. Die MUFJ hat daraus einen Vermögenswert über rund neun Mrd. Dollar gemacht und damit hinsichtlich der Rendite den Dow übertroffen.

Allerdings sollte eine genauere Betrachtung der Lage zur Vorsicht gemahnen. Amerikanische Banken und Wertpapierhäuser, die sich in umfangreichem Ausmaß auf Subprime-Darlehen eingelassen gaben, wissen immer noch nicht genau, wo sie wirklich stehen, wie man an den wiederholten Quartalsabschreibungen ablesen kann. Nehmen wir Merrill Lynch. Mizuho Financial hatte im Januar 1,2 Mrd. Dollar in Vorzugsaktien der US-Bank investiert, nur um dabei zusehen zu müssen, wie die Investmentbank aufgrund von weiteren Verlusten dazu gezwungen war, die Märkte erneut um zusätzliches Kapital anzugehen.

Zudem erscheinen die mittelfristigen Wachstumsaussichten in den USA mittelmäßig zu sein, die Chancen für die Finanzdienstleister sehen besonders düster aus. Und der Londoner Markt ist kaum attraktiver, während auf dem europäischen Kontinent eine große japanische Banken-Akquisition auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte.

Sinnvoll ist der Kauf der Minderheitsbeteiligung an der Union Bank durch die MUFJ nur deshalb, weil die Japaner im Management bereits das Sagen und die Bank von exotischen Hypotheken weggelotst und auf die Kreditvergabe an Unternehmen ausgerichtet hatten - im Nachhinein gesehen war dies eine gute Entscheidung.

Die Akquisitionsaussichten für japanische Banken sehen in Asien viel besser aus. Die Wirtschaft dort wächst schneller und die Transparenz der Bankbilanzen ist zumindest nicht schlechter. Aus politischen Gründen dürfte eine japanische Bank China wohl fernbleiben, aber andere schnell wachsende asiatische Volkswirtschaften scheinen einen fruchtbaren Boden für Wachstum zu bieten. Indien im Besonderen, mit seinem unterentwickelten Finanzsektor und seinen guten Beziehungen zu Japan, scheint eine potenziell reiche Ernte zu versprechen. Die japanischen Banken verfügen über Geld, das sie ausgeben können, aber sie müssen ihre Übernahme-Strategien auf die Märkte zuschneiden, auf denen sie am besten gedeihen können.

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