Japanische Expansionsversuche
Nomuras mühseliges Unterfangen

Nomura hat immer wieder versucht, in der Wall Street Fuß zu fassen. Bei ihrem jüngsten Expansionsversuch haben die Japaner erstklassige Aktienteams aufgebaut. Das ist für den Anfang nicht schlecht. Doch die Geschichte zeigt, dass es selbst nach einer größeren Akquisition gewöhnlich Jahre dauert, den US-Markt zu knacken. Und wie Nomura nur zu gut weiß, sind Fehlschläge wahrscheinlicher als der Erfolg.
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Nomura hat noch nicht genug. Der unermüdliche Wall Street-Möchtegern hat in den vergangenen Monaten etwa 135 Mitarbeiter eingestellt - und gibt damit anscheinend den Startschuss für einen erneuten Vorstoß in die obersten Ränge des US-Investment Banking. Doch die Geschichte zeigt, dass es sich dabei bestenfalls um ein langwieriges Vorhaben handelt - und wie Nomura nur allzu gut weiß, ist das Scheitern dabei genau so wahrscheinlich wie der Erfolg.

Das soll jetzt nicht heißen, dass es hoffnungslos für die japanische Firma aussieht. Nomura hat die asiatischen und europäischen Bereiche der insolventen Lehman Brothers gekauft und sich so außerhalb der USA mehr Gewicht verliehen. Die Turbulenzen der vergangenen Jahre im Finanzdienstleistungssektor haben dazu geführt, dass viele potenzielle Kunden eher bereit sind, sich auf Neueinsteiger einzulassen. Und Nomura weiß genau, wo sie auf dem US-Markt ansetzen muss: Die Firma heuert Experten auf dem Gebiet der sich entwickelnden Technologieplattformen für den Aktienhandel an. Das ist Ausschlag gebend, um die Chefhändler der Investmentfirmen davon zu überzeugen, einen Rückruf bei Nomura überhaupt in Erwägung zu ziehen.

Aber Nomura braucht auch gute Research-Analysten und, wenn die Japaner beabsichtigen, sich einen Anteil am Konsortialgeschäft zu sichern, gute Investmentbanker. Doch selbst dann liegt noch eine ganz schöne Plackerei vor ihnen. Nehmen wir doch nur Lehman, das vielleicht beste Beispiel dafür, wie man eine Wertpapierhandelsfirma aufbaut: Die Bank hatte in einer Reihe von Bereichen zunächst fast wie ein Nischenanbieter fungiert, bevor sie sich zu einer Macht im Research-, Handels- und Konsortialgeschäft entwickelte. Doch dazu hat sie fast ein ganzes Jahrzehnt gebraucht.

Die Bank of America hatte zwar Anfang dieses Jahrzehnts einen schnelleren Ansatz gewählt. Doch ihr Aktiengeschäft erreichte nie die kritische Masse. Und selbst Akquisitionen sind nicht unbedingt ein Allheilmittel: Die Aktienhandelstochter von JPMorgan bescherte Chase mehrere Jahre nach ihrer Fusion im Jahr 2000 nur wechselnde Erfolge.

Vielleicht ist der erneute Versuch von Nomura dieses Mal von größerem Erfolg gekrönt. Das würde sicherlich dazu beitragen, die Geister vergangener Fehlschläge zu vertreiben, die die Japaner auf dem US-Markt erlitten haben - nicht zuletzt ihr Vorstoß auf den Markt für Gewerbeimmobilien. Es liegt an der Bank, die Skeptiker zu widerlegen.

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