JetBlue
Neue strategische Optionen

Lufthansa hat JetBlue zum Schnäppchen-Preis bekommen. Die 300 Mill. Dollar sind für die US-Billigfluglinie eine dringend benötigte Liquiditätsspritze. Und die Lufthansa hat sich neue strategische Optionen gesichert, selbst wenn die deutsche Airline zunächst den Deal nur als rein finanzielle Investition bezeichnet.

Lufthansa/JetBlue: Lufthansa kauft sich mit 300 Mill. Dollar bei JetBlue ein. Das sieht wie eine relativ preisgünstige Option für die Fluggesellschaft aus, auf dem US-Markt zu expandieren. JetBlue erhält im Gegenzug eine dringend benötigte Liquiditätsspritze, um ihre Schulden abzubauen und ihr Haus wieder in Ordnung zu bringen, nachdem der Billigflieger schnell und zu einem hohen Preis gewachsen war. JetBlue betont, der Deal sei “rein finanzieller Natur”. Aber es ist unwahrscheinlich, dass Lufthansa – oder JetBlue – die Absicht haben, dass das lange so bleibt.

Finanziell betrachtet, ist der Anteil von 19 Prozent für Lufthansa ein Schnäppchen. Der deutsche Carrier verfügte per Ende September über liquide Mittel von mehr als drei Mrd. Dollar. Darüber hinaus sind die Aktien von JetBlue in diesem Jahr um mehr als 50 Prozent gefallen. Die Firma hatte damit zu kämpfen, rentabel zu bleiben, weil ihre Gewinnspannen durch einen aggressiven Expansionskurs und unzureichend abgesicherte Treibstoffkosten untergraben worden waren. Dadurch hatte sich ein Schuldenberg aufgetürmt.

Die Lufthansa hat zwar einen Aufschlag von 16 Prozent auf den Schlusskurs von JetBlue vom Mittwoch gezahlt, aber die Aktien hatten auf einem historischen Tiefstand geschlossen. Zumindest danach zu urteilen, kommt die Lufthansa bei dem Kauf der JetBlue-Aktien billig weg, vor allem auch, weil die Gesellschaft in starken Euro abrechnet.

Während die Deutschen bei JetBlue schon einmal an Bord gehen, gibt es keine Hinweise darauf, dass die beiden Unternehmen schon intensiv über eine Zusammenarbeit diskutiert hätten. Trotzdem ist es kaum vorstellbar, dass die beiden Firmen das nicht beabsichtigen. Ein operatives Zusammenspiel mit JetBlue würde Lufthansa zum Beispiel ein bereits funktionierendes Netz an Flugverbindungen vorwiegend innerhalb der USA bieten, das als Zubringerdienst für die Interkontinentalflüge der Lufthansa von und nach New York genutzt werden könnte. Das kann der derzeitige US-Partner der Deutschen, United Airlines, nicht bieten. JetBlue wiederum würde in der renommierten Fluglinie zweifellos einen guten internationalen Partner finden, mit dessen Hilfe der Billiganbieter seine Maschinen gefüllt bekäme.

Zudem besteht die Möglichkeit, dass Lufthansa später ihre Beteiligung aufstockt – allerdings müsste die US-Regierung dazu erst die kumulierte Stimmrechtsbeteiligung ausländischer Unternehmen über die derzeitige Beschränkung von 25 Prozent anheben. Zumindest vorerst verhindert die Beteiligung, dass ein anderer europäischer oder asiatischer Carrier bei JetBlue die Muskeln spielen lässt.

Dass es offenbar noch keine strategischen Gespräche gab, könnte zumindest nach außen eine beruhigende Wirkung haben. Denn Star Alliance-Partner United dürfte die neue Kooperation mit Misstrauen beobachten. Aber natürlich könnte der Abschluss mit JetBlue der Lufthansa neue Optionen bei Gesprächen mit United in die Hand geben. Alles in allem scheint die Investition jede Menge Möglichkeiten zu eröffnen. Aber es ist unwahrscheinlich, dass beide Fluggesellschaften langfristig beabsichtigen, es bei einer passiven Minderheitsbeteiligung von Lufthansa zu belassen.

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