JP Morgan/Highbridge
Selten erfolgreich

JP Morgan hatte sich 2004 mit 55 Prozent an Highbridge beteiligt. Trotz der Turbulenzen im vergangenen Jahr scheinen die solideste unter den US-Großbanken und die Fondsfirma selten erfolgreich zusammenzuarbeiten. Jetzt kauft JP Morgan den Rest – doch das ist noch nicht alles.
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JP Morgan hat seine Karten im Bankgeschäft clever ausgespielt und erweist sich jetzt als das solideste unter den großen US-Kreditinstituten. Auch mit Hedge Fonds bewies die Bank ein gutes Händchen. Sie hatte 2004 die Kontrolle von Highbridge Capital übernommen - gerade noch rechtzeitig, um von den Boom-Zeiten zu profitieren. Und trotz der Turbulenzen im vergangenen Jahr scheinen die Bank und die Fonds-Firma etwas Seltenes aufgebaut zu haben: eine erfolgreiche Partnerschaft. JP Morgan kauft jetzt den Rest. So weit, so gut - aber das ist noch nicht alles.

Als die Bank unter der Leitung von Jamie Dimon den 55prozentigen Anteil übernahm, verfügte Highbridge über ein verwaltetes Vermögen von lediglich sieben Mrd. Dollar. Während der Spitzenzeiten rund drei Jahre später erreichte die Firma dann 30 Mrd. Dollar. JP Morgan hatte also viel Zeit, sich sowohl der Gewinne zu erfreuen als auch ihren Investmentkunden dieses Fondsvehikel als zusätzlichen Anreiz anbieten zu können.

Schief ging es erst, als die Vermögenswerte der Fondsgesellschaft bis zum Ende 2008 - ein stürmisches Jahr für die meisten Hedge Fonds - abstürzten. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres hat sich der maßgebliche Highbridge-Fonds um 17 Prozent erholt, die Vermögenswerte der Firma sind auf 21 Mrd. Dollar gestiegen. Jetzt stockt JP Morgan ihren derzeitigen Anteil von 77,5 Prozent noch einmal auf und übernimmt Highbridge fast vollständig.

Während sich viele Fondsgesellschaften auf einzelne Stars konzentrieren, scheinen die Begründer Glenn Dubin und der in der Öffentlichkeit äußerst zurückhaltende Henry Swieca es geschafft zu haben, Highbridge in eine Firma mit vielen internen Talenten zu verwandeln, die auf brillante Vortänzer verzichten kann. Auf jeden Fall wird Dubin als Chief Executive weitermachen, während Swieca geht, nachdem er, wie versprochen, fünf Jahre geblieben war. Die Investoren der Firma scheinen sich keine übermäßigen Sorgen über diese personellen Veränderungen zu machen.

Einen Hedge Fonds zu "institutionalisieren", ist bisher nur wenigen gelungen. Citigroup ist daran gescheitert und sogar Goldman Sachs, um nur einige zu nennen. Maßgeblich beteiligt an diesem raren Erfolg sind auch JP Morgan-Chef Dimon und Jes Staley, der Chef des Asset Management der Bank. Sie haben es unterlassen, Highbridge die Kultur der Bank aufdrücken zu wollen.

Ironischerweise könnte sich ein zur Paranoia neigender Highbridge-Kunde darüber Sorgen machen, dass der Erfolg der Fondsfirma jetzt teilweise davon abhängt, dass zwei andere Ausschlag gebende Männer, nämlich Dimon und Staley, sich auch weiterhin aus wichtigen Angelegenheiten heraushalten. Da JP Morgan und sein Bereich Investmentmanagement derzeit relativ gut im Geschäft sind, ist die Gefahr gering, dass hier in absehbarer Zeit Umstürze geplant sind. Doch indem sie jetzt effektiv die Kontrolle von Highbridge übernehmen, könnte es für die Banker schwieriger werden, der Fondsgesellschaft langfristig genügend Freiräume zu gewähren.

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