JPMorgan
Schluss mit den Nettigkeiten

Jamie Dimon hat sich mit seiner Kritik an den Rettungsmaßnahmen der US-Regierung nicht zurückgehalten. Das Tarp nannte der Chef von JPMorgan ein Brandmal. Das PPIP lehnte er als für seine Firma irrelevant und riskant ab. Selten sind Bankchefs so freimütig. Aber Dimon kann es sich leisten.
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Jamie Dimon hat sich noch nie lang geziert, wenn es darum ging, dann und wann einen ätzenden Kommentar abzugeben. Doch bei der Vorlage der Erstquartalsergebnisse der Bank hat sich der Chef von JPMorgan selbst übertroffen. Er hat die Gelegenheit beim Schopf ergriffen, um regelrecht auf die Rettungsmaßnahmen der US-Regierung einzudreschen. Diesen Luxus kann er sich vielleicht nicht immer erlauben.

Das Troubled Asset Relief Programme der US-Regierung verniedlichte er zum "Tarp Baby" und bezeichnete die Rettungsmaßnahmen für den amerikanischen Bankensektor als "scharlachroten Buchstaben" - als ein öffentliches Stigma. Selbstverständlich wolle JPMorgan die 25 Mrd. Dollar, die die Bank vom US-Finanzministerium erhalten hatte, zurückzahlen - und zwar am liebsten gleich morgen, wenn die Aufsichtsbehörden dem zustimmten. Nebenbei teilte Dimon auch noch schnell einen Hieb in Richtung Goldman Sachs aus, indem er behauptete, JPMorgan könne der US-Regierung das Geld erstatten, ohne weiteres Kapital aufnehmen zu müssen - wieder unter der Voraussetzung, dass die Finanzaufsicht dem zustimmt.

Mit seiner Kritik am Tarp steht Dimon nicht alleine da. Der Chef von US Bancorp, Richard Davis, hatte das Programm jüngst als "lausig" bezeichnet und der Chairman von Wells Fargo, Dick Kovacevich, hatte die Entscheidung der US-Regierung, rückwirkend Strafmaßnahmen darin einzubauen, scharf angegriffen.

Doch Dimon hat es nicht dabei belassen. Als Nächstes knöpfte er sich das öffentlich-private Investitionsprogramm PPIP vor, mit dem die Banken ihre Bilanzen von problematischen Vermögenswerten befreien sollen. Gut, er räumte zwar ein, dass es dem Finanzsystem nutzen könnte. Aber für JPMorgan selbst sei das PPIP "irrelevant", die Bank werde daran nicht teilnehmen, versicherte Dimon. Dass er sich weigert, zweifelhafte Vermögenswerte seiner Firma zu verkaufen, ist ein Weg, seinen Glauben an das Risikomanagement und die Preisfestsetzungen seiner Bank zu unterstreichen, die sich bisher recht gut gehalten haben. Das ist auch der Grund, warum er die jüngste Aufweichung der Bilanzierungsrichtlinien zur täglichen Neubewertung der Positionen als "ein großes Affenspektakel um nichts" bezeichnete. Auf jeden Fall könnte er notfalls wohl seine Meinung über Verkäufe an das PPIP ändern, ohne dass sich dies für ihn sonderlich negativ auswirkt.

Größeres Erstaunen könnte allerdings seine Entscheidung hervorrufen, nicht als PPIP-Käufer auftreten zu wollen. Mit staatlich finanziertem Hebel könnte sich das Programm als eine üppige Geldquelle entpuppen. Aber, so sagt Dimon: "Wir werden kein Geld von der Regierung leihen. Wir haben unsere Lehre daraus gezogen." Noch eine Attacke auf die rückwirkend geltenden Tarp-Restriktionen.

Nimmt man noch die beherzt vorgetragene Verteidigung des Kreditvergabevolumens und die Implikation dazu, dass die vom US-Einlagensicherungsinstitut FDIC garantierten Anleihen wenig zu den Geldbeschaffungskosten von JPMorgan beitrügen, dann ist Dimon doch einiges losgeworden. Natürlich ist es da gut, wenn man gute Ergebnisse - einen Gewinn von 2,1 Mrd. Dollar im ersten Quartal - vorweisen und eine starke Bilanz als Deckung heranziehen kann, um seine Fausthiebe zu setzen. Aber Dimon sollte es sich vielleicht nicht zur Gewohnheit machen, die Regierung in Washington öffentlich als Sandsack zu benutzen.

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