Julius Bär
Die Wette geht auf

Julius Bär hat das Fondsmanagementgeschäft GAM von der Privatbank abgetrennt. Die Aufspaltung wirkt Wert steigernd, weil die zwei Bereiche auseinander streben. Beide werden zwar vernünftig geleitet und beide wurden durch Abflüsse in Mitleidenschaft gezogen. Aber während es noch eine gute Weile dauern kann, bis GAM zu alter Form zurückfindet, scheint Julius Bär besser positioniert zu sein.
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Die schweizerische Bankengruppe Julius Bär setzt darauf, dass ihre angeschlagenen Einzelteile mehr wert sind, als das sich abmühende Ganze. Mit Wirkung zum 1. Oktober wurde das Finanzhaus in zwei Teile aufgeteilt: in eine geschrumpfte Julius Bär und eine neue GAM Holding. Beide Unternehmen werden vernünftig geführt und leiden derzeit. Sie werden sich wohl auch alle beide wieder erholen – und zwar getrennt schneller als zusammen. Aber das Private Banking dürfte dabei das Rennen machen.

Durch die Aufteilung haben die Investoren jetzt die Wahl zwischen Julius Bär, einem reinen Vermögensverwalter von ansehnlicher Größe, und einem eigenständigen Fondsmanager, auf den früher rund ein Viertel der Marktkapitalisierung der alten Gruppe entfallen war. Wenn denn aus der Vereinigung dieser Geschäfte unter einem einzigen Unternehmensdach je Synergien abzuleiten waren, dann hat Bär sie niemals ausfindig machen können.

Das jüngste scharfe Vorgehen gegen Steueroasen hat dem schweizerischen Private Banking etwas von seiner magischen Anziehungskraft genommen. Aber andere Geschäftsbereiche von Julius Bär sollten in der Lage sein, einige gemäß neuer Übereinkommen und Amnestien in die Heimat zurückgeführte Mittel zurückzuerobern.

Und Julius Bär ist auch in Wachstumsregionen wie etwa Singapur und Hongkong gut aufgestellt. Strukturierte Produkte mit hohen Margen könnten zurückkommen. Und die Bank legt bei schweizerischen Hypothekendarlehen zu.

Auch GAM könnte sich der Talsohle nähern. Das verwaltete Vermögen ist seit Dezember 2007 um 37 Prozent abgesackt. Allerdings hatten die Dachfonds von GAM ein Engagement bei dem betrügerischen Finanzier Bernard Madoff vermieden. Und die Entscheidung, jedem Willigen den Abzug seiner Mittel zu gestatten, sollte GAM letztendlich aufhelfen. Aber die Rücknahmen haben sich nur verlangsamt, zu einem Stillstand sind sie noch nicht gekommen.

GAM könnte in der Lage sein, die Kosten umfangreicher und schneller zu kürzen als prognostiziert. Doch die Erwartung der Firma, in den kommenden drei Jahren mit einem Anstieg der Zuflüsse um sechs bis zehn Prozent rechnen zu können, klingt optimistisch. Im Gegensatz dazu geht der neue Chef von Julius Bär von einem Zuwachs der Nettoneugelder um vier bis sechs Prozent aus – wobei das obere Ende seiner Prognose dem niedrigsten Ausgangspunkt bei der Credit Suisse entspricht. Darüber hinaus sollte sich Julius Bär in einer guten Ausgangslage befinden, um sich Konkurrenten einzuverleiben: Die Tier 1-Kapitalquote nähert sich dem Niveau von 19 Prozent, wobei die Erlöse aus dem Börsengang von Artio, dem US-Zweig für Asset Management, enthalten sind.

Im frühen Handel am Donnerstag hatte sich die Wette um die Aufspaltung ausgezahlt. Der zusammengerechnete Wert der zwei neuen Gesellschaften lag um vier Prozent höher als der alte. Blickt man in die Zukunft, so könnte die Rückkehr von GAM zu alter Form noch etwas weiter entfernt liegen. Vorerst sind es die Aktien von Julius Bär, die man besitzen sollte.

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