Julius Bär
Julius Bär und die Bullen

Die Schweizer Privatbank hat ihren Gewinn im vergangenen Jahr um 31 Prozent gesteigert. Der Zuwachs ist teilweise auf die anziehende Nachfrage nach Vermögensverwaltungsdiensten asiatischer Kunden zurückzuführen und auf die derzeitige Schwäche der Konkurrenten wie etwa der UBS. Keine Bank ist vollkommen vor dem Kreditsturm geschützt, aber Julius Bär sieht sicherer aus als die meisten.

Es gibt windgeschützte Stellen mitten im Kreditsturm. Das hat Julius Bär gezeigt. Die schweizerische Privatbank hat einen Anstieg des Jahresnettogewinns um 31 Prozent ausgewiesen – und einen Zuwachs um 19 Prozent während der von Turbulenzen geschüttelten zweiten Hälfte des Jahres 2007, in der viele europäische Banken über umfassende Abschreibungen und sogar Verluste berichten mussten. Diese verhältnismäßige Stärke hat es dem Institut aber nicht erspart, mit den anderen Werten aus dem Finanzsektor in einen Topf geworfen zu werden. Die Aktien von Julius Bär sind seit Jahresbeginn um 18 Prozent gesunken.

Diese Kursrücknahmen sind jetzt weit genug gegangen. Die starke Entwicklung von Julius Bär im vergangenen Jahr spiegelt die Widerstandskraft des Geschäfts mit der Betreuung vermögender Privatkunden wider, das gewöhnlich nicht ganz so zyklisch ist wie der Rest des Finanzsektors. Und es kommt darin die clevere Ausrichtung der Bank auf die aufstrebenden Märkte zum Ausdruck. Von den 35 Mrd. sfr an Nettoneuzuflüssen kamen rund zwei Drittel der Gelder, die in den Bereich Private Banking gingen, aus den Emerging Markets. Spezifisch auf China entfielen dabei rund 30 Prozent der neuen Mittel, schätzt ABN Amro. Diese Regionen dürften relativ unbeschadet bleiben und einen weiteren Schutz gegen die taumelnden Kreditmärkte bieten.

Sicher, auch das Wealth Management kann sich den zyklischen Trends nicht völlig verschließen. Als die Märkte von 2000 bis 2002 fielen, waren die Gewinne der Credit Suisse in diesem Bereich um 40 Prozent zurückgegangen. Auch die Spannen im Asset Management sind anfällig, wenn statt dem Verkauf komplexer Produkt eher Cash und Anleihen gefragt sind. Das verwaltete Vermögen von Julius Bär stagnierte im Zeitraum Juni bis Dezember bei 405 Mrd. sfr, da die soliden Zuflüsse durch die schlechte Entwicklung aufgezehrt wurden. Dazu kommt, dass zumindest ein Teil der neuen Mittel von Julius Bär auf Kosten von Konkurrenten wie der UBS gingen, die im vergangenen Jahr bedeutende Abflüsse hinnehmen mussten.

Trotzdem hat Julius Bär bewiesen, dass die Bank sich auch auf harten Märkten gut schlagen kann. Ihre Aktien sind nicht billig, sie werden zum rund Zwölffachen der für 2008 geschätzten Ergebnisse gehandelt. Das ist niedriger als die übliche Spanne des 14-bis15fachen, aber allemal höher als die Vielfachen von sechs bis sieben, die viele diversifizierte Banken in Europa aufweisen. Das Geld gut betuchter Kunden zu verwalten und gleichzeitig keine Kreditgeschäfte zu betreiben, mag zwar auch keine vollständige Immunität gegen eine Subprime-Ansteckung bieten. Bankchef Johannes de Gier hat denn auch gleich gewarnt, es sei zu früh, sein Unternehmen als sicheren Hafen im Finanzsektor zu betrachten. Aber das Institut ist wahrscheinlich sicherer als die meisten Banken.

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