Kampf ums Öl
Im Namen der Energiesicherheit

Mit dem Kauf der kanadischen Harvest Energy sichert sich das südkoreanische Staatsunternehmen KNOC künftige Ölvorräte. Genau so waren zuvor chinesische Ölgesellschaften vorgegangen. Da Energiesicherheit überall auf der Tagesordnung steht, ist diese Vorgehensweise auch sinnvoll. Doch Südkorea kann sich dabei kein allzu hartes Auftreten leisten.
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Südkorea könnte sich China zum Vorbild genommen haben. Mit dem Kauf der kanadischen Harvest Energy Trust für 1,8 Mrd. kanDollar sichert sich die staatliche Korea National Oil Co (KNOC) künftige Ölvorräte. Genau so waren zuvor chinesische Firmen in Kanada und anderswo vorgegangen. Da mittelfristig Rohölengpässe möglich sind, ist dies auch sinnvoll. Aber Südkorea kann sich kein allzu hartes Auftreten leisten, die KNOC muss sich also an die Länder halten, denen sie vertraut. Das Unterfangen, Energiesicherheit herzustellen, wird so für Südkorea schwieriger als für China.

Auf einem freien Markt besteht normalerweise keine Notwendigkeit, die Ölversorgung auf diesem Weg sicherzustellen. Der Nachschub sollte vielmehr auf dem Spotmarkt oder über langfristige Verträge frei erhältlich sein. Und auf genau diesem Weg deckt sich Südkorea derzeit auch mit dem Großteil seiner Einfuhren über 2,14 Mill. Barrel pro Tag ein. Auf die KNOC entfallen weniger als vier Prozent der südkoreanischen Importe und dieser Anteil soll selbst bis 2012 nur auf 14 Prozent steigen.

Allerdings bauen sich vor allem auf den Ölmärkten Hürden auf, die künftig einen freien Ablauf behindern könnten. Venezuela hat den Ölsektor verstaatlicht und Nigeria hat die Verträge mit multinationalen Unternehmen neu verhandelt. Auch in Brasilien gewinnen staatliche Aspekte eine größere Bedeutung. Diese und andere Beispiele legen einen Trend hin zu einem stärker merkantil angehauchten Ansatz nahe, bei dem die Länder die Ölvorräte direkt kontrollieren.

Zudem bemerkte John Hess, der Chief Executive der Hess Corp, in dieser Woche, es sei seiner Ansicht nach wahrscheinlich, dass der Ölpreis in den kommenden fünf bis zehn Jahren stark steigt und es zu Versorgungsunterbrechungen kommt. Wenn dies einträte, dann könnte sich selbst eine staatliche Direktbeteiligung an den Ölvorräten in anderen Ländern als unzuverlässig erweisen, wenn sich die Regierungen der produzierenden Länder anschickten, ihr Öl einzusetzen, um politische oder wirtschaftliche Vorteile zu erlangen.

In dieser Hinsicht ist die China National Offshore Oil Corp (CNOOC) der südkoreanischen KNOC allerdings überlegen. Der politische Einfluss Chinas und seine starken Streitkräfte würden zu einer Gefahr für den Öllieferanten, wollte er seine Vereinbarungen mit der CNOOC brechen. Südkorea ist umgekehrt ein demokratisch regiertes Land mittlerer Größe mit einer moderaten Armee, die aufgrund der Bedrohung durch Nordkorea vor allem im eigenen Land gebraucht wird.

Die KNOC kann sich deshalb vermutlich nicht ganz so kühn auf die instabilen aufstrebenden Märkte vorwagen wie die CNOOC. Stattdessen muss sich das Unternehmen zumindest bei großen Deals vor allem auf die Länder konzentrieren, bei denen man sich auf die Einhaltung der Verträge verlassen kann oder zu denen Südkorea enge politische Beziehungen unterhält. Doch diese Liste ist relativ kurz. Unternehmen wie Harvest, die über Ölreserven in Ländern verfügen, die diese Bedingungen erfüllen, sollten die Berechnungstabellen für ihre Bewertung hervorholen und aufpolieren.

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