Kampfbereit
Carrefour: Tage der Abrechnung

Lars Olofsson spricht Klartext. Der Vorstand des angeschlagenen französischen Einzelhandelsgiganten steckt 600 Millionen Euro in Preissenkungen und wünscht einen „Paradigmenwechsel“. Sicher, das Unternehmen muss „leichtfüßiger“ werden. Olofsson macht hier einen guten Eindruck, aber das Hypermarktmodell scheint dennoch überholt.
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Lars Olofsson war sicherlich nicht der Einzige, der vor seiner ersten großen Präsentation als neuer Carrefour-Chef mit Nervosität zu kämpfen hatte. Bernard Arnault, der Luxusgüter-Titan, der ihm den Posten vermittelt hatte, hatte ebenfalls viele Gründe, sich Sorgen zu machen. Arnault, Carrefours größter Aktionär, musste tatenlos zusehen, wie sich sein Investment halbierte, seit er und der Hedgefonds Colony Capital sich vor zwei Jahren bei der Einzelhandelskette einkauften. Olofsson hinterließ einen guten Eindruck, aber bis er seinen Verlust wieder eingefangen hat, dürfte einige Zeit ins Land gehen.

Olofsson, der früher zum Nestlé-Management gehörte, sprach Klartext mit den Aktionären. Das musste er auch. Carrefours Gewinne aus wiederkehrenden Geschäften fielen 2008 um ein Drittel, nachdem auch Preissenkungen nicht verhindern konnten, dass die Discounter der Kette Marktanteile abnahmen. Jetzt will Olofsson mit Preissenkungen im Volumen von 600 Millionen Euro und Gesprächen über einen "Paradigmenwechsel" zurückschlagen. Allerdings wirkt das gesamte Geschäftsmodell der Hypermärkte, die alle nur schwache Ergebnisse vorlegen konnten, inzwischen überholt.

Olofsson packt die Probleme direkt an, anders als sein Vorgänger Jose Luis Duran. Der Neue sagt dem schnelleren lokalen Konkurrenten Leclerc sowie den knallharten Discountern Aldi und Lidl den Kampf an. Er will mehr Carrefour-Eigenmarken auf den Markt bringen und eine Reihe von teureren Markenprodukten ausmustern. Dadurch könnte es gelingen, die Gewinnspannen wieder auszuweiten, die im vergangenen Jahr um 30 Basispunkte sanken. Goodwillabschreibungen in Höhe von 400 Millionen Euro, vor allem auf den italienischen Geschäftszweig, sollen ebenfalls dazu beitragen, die Trennung von problembeladenen Sparten zu erleichtern.

Aber Olofsson hat viele Aufgaben zu bewältigen. Nach seiner Einschätzung nutzt Carrefour die Informationen aus 12 Millionen Kundenkarten, die Auskunft über das Einkaufsverhalten seiner Kunden geben, noch immer nicht systematisch. Das zeige, wie weit der Konzern hinter der globalen Konkurrenz, zum Beispiel hinter Tesco oder Wal-Mart, hinterherhinke. Der Plan, einige der größten Supermärkte zu verkleinern, klingt plausibel, aber hierzu fehlen noch nähere Informationen.

Und während Carrefour sich anstrengt, zuhause Marktanteile zurückzuerobern, könnten andere die Chance nutzen in den schneller wachsenden Entwicklungsländern wie Indien oder China einen Vorsprung zu gewinnen. Olofsson hat mit Sicherheit einiges Licht ins Dunkel gebracht. Aber bis zum Ende des Tunnels ist es noch ein langer Weg.

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