Kanadische Telekomgesellschaft
BCE: Grund zum Dank sagen

Sollte die gigantische Übernahme abgeschlossen werden, dann wäre BCE nicht zahlungsfähig. Dieses Urteil der Wirtschaftsprüfer könnte dem geplanten Mega-Deal ein Ende setzen. Die meisten Beteiligten wären erleichtert. Nur die Aktionäre der kanadischen Telekomgesellschaft würden klagen.

Die Übernahme von BCE über 51,7 Mrd. Kanada-Dollar erinnert an den unsterblichen Helden eines Actionfilms. Wie tot der Deal eigentlich auch immer sein müsste, so kommt er dennoch immer wieder selbst in der schlimmsten Katastrophenszene mit dem Leben davon. Dieses Mal hat KPMG die Rolle des bösen Gegenspielers übernommen und festgestellt, dass BCE nicht zahlungsfähig sein wird, wenn die gigantische Übernahme abgeschlossen wird. Wenn die Wirtschaftsprüfer bei ihrer Ansicht bleiben, könnte die geplante Transaktion tatsächlich beerdigt werden. Und die meisten Akteure wären erleichtert, wenn das Vorhaben neu strukturiert oder gleich ganz versenkt würde. Nur die Aktionäre der kanadischen Telekomgesellschaft würden klagen.

Die Käufer von BCE, geführt von Providence Equity Partners und dem Ontario Teachers Pension Plan, haben gute Gründe dafür, den Abschluss neu ausrichten zu wollen. Das Verschuldungsniveau war noch zu Zeiten des Private-Equity-Booms ausgehandelt worden und sieht jetzt nach einem Kraftakt aus. Selbst wenn KPMG ihr Urteil über die Zahlungsfähigkeit von BCE noch ändern sollte, würde die Firma angesichts einer solchen Schuldenlast wahrscheinlich dennoch zu kämpfen haben.

Außerdem haben viele Buyout-Manager Schwierigkeiten dabei, zugesagte Gelder bei ihren Investoren einzusammeln, von denen die meisten mit ihren eigenen Verlusten beschäftigt sind. Sie werden glücklich darüber sein, wenn sie das Geld ihrer Investoren nicht für ein Projekt einsetzen müssen, das von Vornherein problematisch erscheint. Was den Pensionsfonds der Lehrer von Ontario angeht, so dürfte der jetzt auch eine andere Verwendung für seine Mittel haben.

Die an dem Deal beteiligten Banker wären wahrscheinlich auch froh, wenn sie von diesem Haken gelassen würden. Eine der Banken, Citigroup, ist gerade in einer enormen Kraftanstrengung von der US-Regierung gerettet worden. Es würde wohl kaum einen guten Eindruck hinterlassen, wenn das Kreditinstitut jetzt Milliarden für die größte Übernahme überhaupt ausgeben würde, selbst wenn diese vor Monaten zugesagt worden war. Die bestehenden Anleiheinhaber von BCE wollten das Vorhaben ohnehin schon stoppen, da es die Kreditposition von BCE schwächen würde. Es ist kaum vorstellbar, dass sich ihre Einstellung in der Zwischenzeit geändert hat.

Doch das Management der kanadischen Telekom will den Abschluss scheinbar unbeirrt vorantreiben. Und natürlich würde der Verkauf den Aktionären von BCE gefallen, die für ihre Bestände einen Preis aus Boom-Zeiten erhalten würden.

Da aber sowohl BCE als auch der Pensionsfonds der Lehrer von Ontario von beträchtlicher politischer Bedeutung sind, könnte es zur Herausforderung werden, die Übernahme in ihrer ursprünglichen Form abzuschließen - selbst wenn KPMG dazu gebracht werden könnte, ihr vorläufiges Urteil zu revidieren. Die kanadische Regierung würde es sicher nicht begrüßen, wenn sich BCE übernimmt oder dass der Pensionsfonds eine miserable Investition eingeht. Actionhelden lieben es, wenn es endlich ans Handeln geht, und vielleicht lässt sich ja auch ein umstrukturierter Kompromiss finden, den man auf den BCE-Buyout anwenden kann. Die Einbußen bei den Aktien der Telekomgesellschaft legen allerdings nahe, dass immer weniger Investoren darauf setzen, dass der ursprüngliche Deal Überlebenschancen hat.

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