Kapitalbedarf
Es könnte für die Coba noch schlimmer kommen

Warum die Commerzbank zehn Milliarden Euro frisches Kapital braucht, ist unklar. Die Erklärungsversuche reichen von zu schwachen Eigenkapitalquoten für das volatile Marktumfeld bis hin zu den Wirtschaftsturbulenzen im Allgemeinen. Vielleicht erfolgten die notwendigen Abschreibungen auf Vermögenswerte bei der Coba-Dresdner auch einfach nur zu langsam. Wenn das nicht der Grund ist, ist mit hässlichen Auswirkungen zu rechnen.

Die Investoren im Bankensektor können nur hoffen, dass der schockierende Bedarf an zusätzlichen 10 Milliarden Euro, mit dem die Commerzbank die Übernahme der Dresdner Bank bewältigen will, eine Ausnahmesituation bleibt. Nur gut, wenn sich das nicht als frommer Wunsch erweist.

Die schiere Größenordnung des Kapitalbedarfs, den die Bank beim staatlichen Unterstützungsfonds anmeldete, sorgte am Markt für Bestürzung. Schließlich hatte Deutschland erst im November 8,2 Milliarden Euro Hybridkapital zur Verfügung gestellt, um den Coba-Dresdner-Deal zu unterstützen. Jeder wusste, dass das vierte Quartal besonders schmerzhaft für den Bankensektor werden würde - aber das jetzt ist Folter. Der erweiterte Konzern ist sicherlich mit höheren Risiken behaftet als die meisten anderen Banken. Bis jetzt hat er die Ergebnisse des vierten Quartals noch nicht vorgelegt, aber die Verluste müssen deutlich ausgefallen sein. Legt man die Zahlen des dritten Quartals zugrunde, dürfte die jüngste Jumbo-Kapitalinfusion nach Angaben von Citigroup Research die Tier-1-Quote auf 12,7 Prozent erhöht haben. Aber die Commerzbank gibt an, dass die Quote bei 10 Prozent liegen werde.

Es könnte noch schlimmer werden. Ein 23-Milliarden-Euro-Portfolio aus strukturierten Kreditprodukten könnte der Bank 2009 Nachsteuerverluste in Höhe von 8,9 Milliarden Euro bescheren, wie sich aus einem Stresstest der Citigroup ergibt. Allein dieser Verlust würde die Tier-1-Quote um 2,7 Prozentpunkte verringern.

Aber nicht nur die Verluste erhöhen den Kapitalbedarf. In den Kalkulationen der Banken müssen Kreditinstitute umso mehr Kapital aufbringen, je geringer das Rating einer Vermögensposition in den Handelsbüchern ausfällt - geringere Ratings sorgen damit automatisch für einen Rückgang der Finanzkraft. Aktiva mit Junkbond-Status erfordern eine Menge Kapital. Dresdner verkauft giftige Positionen im Nominalwert von 2 Milliarden Euro, die gegenwärtig noch 1,1 Milliarden wert sind, an die Muttergesellschaft Allianz. Dieser Verkauf reduziert den Kapitalbedarf der Dresdner um den gleichen Betrag, wie ein potenzieller Verkauf von höher eingestuften Positionen mit einem Nominalwert von 18 Milliarden Euro.

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