Kapitalerhöhung
HSBC: Der Schein trügt

Die HSBC will sich nach eigenen Angaben mit ihrer Bezugsrechtsemission über 17,7 Mrd. Dollar in die Position bringen, opportunistische Akquisitionen vornehmen zu können. Doch der Schritt sollte vor allem als Mittel gesehen werden, um Löcher zu stopfen - jetzt und in der Zukunft. Die jüngsten Ergebnisse der Bank weisen eine Verschlechterung im US-Geschäft und beunruhigender Weise beim Wachstumsmotor der Bank in Asien auf.

Es ist nicht so wie es aussieht - ehrlich. HSBC hat zum Schock der Märkte eine Bezugsrechtsemission über 17,7 Mrd. Dollar angekündigt und versichert, der Schritt erfolge teilweise, um der Bank die Möglichkeit zu geben, opportunistische Akquisitionen vorzunehmen. In Wahrheit handelt es sich hierbei um eine höchst defensive Kapitalerhöhung.

Erst vor etwa einem Monat hatten Analysten von Morgan Stanley gefragt, ob bei den Eigenkapitalquoten der HSBC alles mit rechten Dingen zuginge. Was auch immer an der Analyse dran war, auf jeden Fall hat sie die Aktien des Instituts schwer belastet. Aber mit der Bezugsrechtsemission sollte die finanzielle Verfassung der HSBC jetzt über jeden vernünftigen Zweifel erhaben sein. Ihre Tier-1-Kapitalquote wird dann bei 8,5 Prozent liegen und der Bank einen Spielraum von rund 16,5 Mrd. Dollar für weitere Abschreibungen verschaffen, bevor sie unter das Niveau von sieben Prozent absackt, das die Investoren scheinbar jetzt als Minimum erachten.

HSBC braucht diesen zusätzlichen Puffer auf jeden Fall, von dem ein Großteil durch frische Verluste absorbiert werden könnte. Sicher, die Bank stoppt größtenteils das Neugeschäft bei Household Finance, dem US-Immobilienfinanzierer, der 2002 erworben wurde, um der HSBC den Bereich Subprime-Kredite zu erschließen. Aber die steigende Arbeitslosigkeit und das sich verlangsamende Wachstum üben weiter Druck auf das verbleibende US-Kreditgeschäft der Bank aus.

Und in der Zwischenzeit ist auch der Wachstumsmotor der Bank in Asien, der 60 Prozent des Gewinns vor Steuern ausmacht, ins Stottern geraten. Versteckt in den Gesamtjahresergebnissen sind die Wertminderungsraten bei Krediten in Hongkong um mehr als das Zehnfache binnen Jahresfrist gestiegen, selbst wenn die Zahlen niedrig bleiben. Schwindende Handelsflüsse und niedrige Zinsen, die zwei vorherrschenden Gegenströmungen in Asien, werden die Gewinne weiter in Mitleidenschaft ziehen.

Aber selbst wenn HSBC diesen Punkten nicht ausgesetzt wäre, hätte sie gute Gründe, bei den Aktionären vorstellig zu werden. Die HSBC ist nicht mehr länger die einzige sichere Bank weit und breit. Die Konkurrenten haben ihre Bilanzen wieder gestärkt - oft mit Hilfe des Staates - und in vielen Regionen, darunter Großbritannien und Hongkong, werden die Einlagen durch die Regierungen garantiert. Ohne durch eine Bezugsrechtsemission ihren relativen Kapitalvorteil aufrecht zu erhalten, hätte die HSBC riskiert, dass die Geldflut von Einlegern und vermögenden Privatkunden, in deren Genuss die Bank in den vergangenen Monaten gekommen war, sich zurückzieht.

Wie viel des neuen Kapitals kann die HSBC wirklich für Akquisitionen einsetzen? Da sich das Kreditinstitut unter den wenigen Banken befindet, die sich bisher ohne staatliche Unterstützung über Wasser halten konnten, könnte sie einen Wettbewerbsvorteil haben, wenn es um den Kauf von Vermögenswerten in den aufstrebenden Märkten geht. Von Regierungshilfe abhängige Konkurrenten aus dem Westen sind dem Druck ausgesetzt, zuerst auf ihren Heimatmärkten zu investieren. Aber man ganz wohl ruhig davon ausgehen, dass der Großteil der frischen Milliarden fest in der Bilanz der HSBC verankert bleibt.

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