Kapitalmärkte
Staatliche Verlockung

Das Programm der US-Regierung über eine Bill. Dollar, mit dem sie den Markt für forderungsbesicherte Wertpapiere wieder flott machen will, birgt Risiken für die Steuerzahler und wird die Kapitalmärkte weiter verzerren. Aber die Bereitstellung billiger Kredite könnte ein Segen für Hedge Fonds und Banken sein.

Beständige Jahresrenditen von über 15 Prozent - ist irgendjemand interessiert? So viel könnten Investoren einfahren und zwar dank des Plans der US-Regierung, den Markt für forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) wieder flott zu machen. Das Programm mit dem Namen Term Asset-backed Securities Loan Facility, oder kurz Talf, sieht vor, Käufern von ABS billige Kredite zu gewähren. Der Plan birgt Risiken - und der Versuch wird Zeit brauchen. Aber in der Zwischenzeit werden Investoren von Banken bis zu Hedge Fonds die Gelegenheit haben, etwas Geld zu verdienen.

Anfänglich soll die Fazilität 200 Mrd. Dollar umfassen und ABS abdecken, die Autofinanzierungen, Kreditkartenforderungen, Studiendarlehen und Kredite an Kleinunternehmen beinhalten. Die New Yorker Federal Reserve Bank wird Käufern sich qualifizierender ABS bis zu 95 Prozent des Nennwerts neu emittierter Wertpapiere, die sie erwerben, ausreichen, und zwar billig und ohne Regressmöglichkeit.

Das klingt nach einem Risiko für die Steuerzahler. Nun, riskant ist der Plan, aber trotzdem einen Versuch wert, wenn auch unter dem wichtigen Vorbehalt, dass sich keine schleichende Ausweitung der ursprünglichen Ziele einstellt. Zunächst einmal deckt das Programm die Bereiche ab, in denen die Kreditvergabe so gut wie versiegt ist, was die Verbraucher in wirkliche Schwierigkeiten bringt. Den ABS-Markt wieder in Bewegung zu versetzen, ist also ein lohnendes Ziel neben den Bemühungen, die Kreditvergabe der Banken aus der Bilanz auszubauen.

Zweitens ist das Bündeln ähnlicher Kredite, deren Entwicklung statistisch vorhersagbar ist (ohne gleich wieder den Sprung ins Ungewisse zu wagen, wie er, sagen wir, bei Subprime-Hypotheken notwendig wäre), recht sinnvoll. Und drittens begrenzt die anfängliche Konzentration auf Wertpapiere mit einer Bonitätseinstufung von "AAA" die Risiken der Regierung, weil zumindest bei diesen Kategorien von ABS die in Verruf geratenen Rating-Agenturen tatsächlich recht gute Leistungen vorweisen können. Zudem trägt der Plan dazu bei, die Anreize für die Vergabe riskanter Verbraucherkredite zu senken.

Ein Nachteil des Talf ist es allerdings, dass auf diese Weise die Gefahr entsteht, dass die Ratings noch tiefer in die Regulierung der Finanzmärkte mit einbezogen werden. Ein weiterer Besorgnis erregender Punkt besteht darin, dass die Regierung beabsichtigt, das Programm auf eine Bill. Dollar ausweiten und andere Typen von ABS sowie mit Hypotheken auf Gewerbeimmobilien besicherte Papiere zu berücksichtigen. Es ist nicht weit hergeholt, sich Sorgen darüber zu machen, dass das Programm unkontrolliert in weniger sicheres Gelände überschwappt, besonders was Gewerbeimmobilien angeht - ganz zu schweigen davon , dass ohnehin verzerrten Märkten weitere immense Beihilfen aufgeladen werden.

Auf jeden Fall wird es Zeit brauchen, bis das Talf greift - oder scheitert. In der Zwischenzeit lässt sich allerdings daran verdienen. Wie viel dabei herausspringen kann, ist leicht mit Hilfe eines Kalkulators zu errechnen, den Breakingviews erstellt hat. Durch den großzügigen Finanzierungsdeal der US-Regierung erscheint eine Jahresrendite über 15 Prozent durchaus machbar. Sowohl traditionelle als auch alternative Investoren lechzen seit geraumer Zeit nach soliden Investmentideen und Fremdkapital. Auf sie könnte diese Art von Rendite äußerst verlockend wirken.

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