Kapitalspritze für Bergbaukonzern
Rio Tinto: Meine Mine, deine Mine

Rio Tintos Kapitalinfusion ist an zu viele Bedingungen geknüpft Das zweistufige Geschäft der anglo-australischen Minengesellschaft mit dem chinesischen Minenbetreiber Chinalco verwässert die Rio-Tinto-Aktien und gesteht einem großen Kunden zu viel Einfluss zu. Rio hätte Vermögenswerte an mehrere Konkurrenten abgeben und eine Kapitalerhöhung vornehmen sollen. Noch ist es dazu nicht zu spät.

Rio Tinto hat seine Kapitalspritze- und noch mehr. Wenn die Aufsichtsbehörden und die Aktionäre zustimmen, wird die anglo-australische Minengesellschaft in zwei Schritten 20 Milliarden Dollar beim staatlichen chinesischen Minenbetreiber Chinalco einsammeln. Investoren können sich freuen, dass Rio damit genug Liquidität erhält, um seine Schulden zu halbieren und auch den schlimmsten Konjunktureinbruch zu überstehen. Sie sollten sich allerdings auch Gedanken über die Bedingungen machen, die an den Deal geknüpft sind.

Rio war der Meinung, über eine konventionelle Kapitalerhöhung nicht genügend Kapital anlocken zu können. Damit lag das Minenunternehmen wohl richtig, zumindest was die anvisierte Gesamtsumme von 20 Milliarden Dollar anbelangt. Nur wenige Banken wären wahrscheinlich bei einer so hohen Emission ins Risiko gegangen, vor allem weil voraussichtlich viele der Aktionäre von ihrem Bezugsrecht keinen Gebrauch gemacht und es den Banken überlassen hätten, die Anteile zu übernehmen. Auch schon vor der Kapitalerhöhung des Konkurrenten Xstrata in der vergangenen Woche machten viele Kreditinstitute Rio unmissverständlich klar, dass sie nicht bereit seien mitzuziehen.

Ihr Verzicht ist Chinalcos Gewinn. Die Chinesen beteiligen sich mit 12,3 Milliarden Dollar direkt an neun Rio-Minen - darunter die Escondida Kupfermine und der Hamersley Eisenerzkomplex. Zusätzlich übernimmt Chinalco für 7,2 Milliarden Dollar Wandelanleihen, mit dem Recht sie in Aktien zu tauschen, wenn sich der Rio-Kurs verdoppelt. Die Tauschprämie ist hoch, allerdings auch der Kupon von 9,2 Prozent, der mit der Anleihe verbunden ist. Nach dem Wandel besitzt Chinalco eine 18-prozentige Beteiligung an Rio sowie zwei Sitze im Verwaltungsrat.

Gut ist, dass Rio weder Aktien noch Vermögenswerte verschleudert hat. Aber die Konstruktion des Deals ist auch konfliktträchtig - sie führt dazu, dass ein Kunde im Verwaltungsrat sitzt, der gleichzeitig an zahlreichen Schlüsselwerten des Unternehmens maßgeblich beteiligt ist. Hinzu kommt, dass es sich hier nicht um irgendeinen Kunden handelt. China ist unter den rohstoffhungrigen Nationen die gierigste, allein die Hälfte der weltweiten Eisenerznachfrage kommt von dort. Chinalco ist ein Vehikel, das die Nation nutzt, um ihre erheblichen globalen Rohstoffambitionen zu verfolgen. Natürlich kann der Draht zur chinesischen Regierung auch Türen öffnen. Aber für China bedeuten niedrige Preise und hohe Produktion mehr als Gewinne, die mit anderen Aktionären geteilt werden müssen. Mit diesem öffentlichen Bekenntnis, werden die chinesischen Behörden die entsprechenden Ergebnisse einfordern.

Noch ist es für Rio nicht zu spät, nach Alternativen zu suchen. Bis alle Genehmigungen zu dem Geschäft eingeholt sind, wird es fünf Monate dauern. In der Zwischenzeit kann Rio seine Vermögenswerte auch anderen schmackhaft machen - der ehemalige Verfolger BHP Billiton hat schon Interesse angemeldet - und es mit einer kleineren, leichter zu handhabenden Kapitalerhöhung versuchen. Sonst könnte es leicht passieren, dass Rio ein kurzfristiges Problem gegen ein dauerhaftes eintauscht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%