Karriere
Zweite Chance für Banker

Verdienen gescheiterte Banker eine zweite Chance? Ja - aber nur wenn sie sich reumütig genug gezeigt haben und etwas Eigenes beitragen können. Andy Hornby, der ehemalige Chef von HBOS, erfüllt diese Voraussetzungen. Natürlich werden sich einige über seine Ernennung zum CEO von Alliance Boots entrüsten, aber für Einwände gibt es keine Grundlage.
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Verdienen gescheiterte Banker eine zweite Chance? Die Antwort lautet: Ja, aber nur wenn sie sich reumütig genug gezeigt haben und ernsthaft etwas Eigenes beitragen können. Andy Hornby, der ehemalige Chief Executive von HBOS, erfüllt diese Voraussetzungen. Über seine Ernennung zum Chef von Alliance Boots werden sich einige natürlich entrüsten, aber für Einwände gibt es eigentlich keine Grundlage.

Der Beinahe-Zusammenbruch von HBOS gehörte zu den spektakulärsten Ereignissen der Finanzkrise. Die Bank hatte sich fürchterlich mit toxischen Krediten für Gewerbeimmobilien und mit selbst zertifizierten Hypothekendarlehen für Immobilien, die nicht für den Eigenbedarf gedacht waren, übernommen. HBOS musste sowohl von der Regierung herausgehauen als auch von Lloyds TSB gerettet werden, worüber der Weiße Ritter beinahe selbst zu Fall gekommen wäre.

Die Vorstellung, dass einer der Verursacher dieser Katastrophe nun an die Spitze von Alliance Boots klettert, wird einigen zweifellos unfair vorkommen. Aber es ist schwer, Gründe zu ersinnen, warum er nicht Chef der Pharmahandelsgruppe werden sollte.

In der Öffentlichkeit wird Hornby denn auch gar nicht als so gefährlich wahrgenommen. Weder legte er die Arroganz eines Sir Fred Goodwin an den Tag, des ehemaligen Chefs der Royal Bank of Scotland. Noch ist er mit einem Sack voller Geld aus der Ruine marschiert. Wahrscheinlich ist Hornby persönlich eher ins Soll gerutscht, nachdem er seine Jahresboni in Form von Aktien erhalten hat, die praktisch wertlos geworden sind. Darüber hinaus wird er nicht mehr im Bankwesen tätig sein. Es besteht also keine Gefahr, dass die Steuerzahler wieder hinter ihm herräumen müssen, sollte er erneut Chaos anrichten.

Natürlich musste Hornby, um einen Spitzenjob zu ergattern, sein neues Arbeitsumfeld erst davon überzeugen, dass er etwas Wertvolles beizusteuern hat. Auch hier sehen die Vorzeichen recht positiv aus. Schließlich ist Hornby eigentlich Einzelhändler von Beruf, der seine ersten eigenen Erfahrungen bei der britischen Supermarktkette Asda sammelte. Sein Wechsel zu HBOS war auf der fadenscheinigen Grundlage erfolgt, dass ein guter Einzelhändler sich auch im Bankgeschäft sicher gut mit Privatkunden auskennt.

Außerdem handelt es sich bei Alliance Boots nicht um eine normale Firma. Sie wird von Stefano Pessina beherrscht, der das Unternehmen zusammen mit KKR kontrolliert. Und Pessina fungiert nicht nur als leitender Chairman. Sein Partner Ornella Barra hat den Großhandelsbereich unter sich. Der Spielraum für Hornby, sich als Chief Executive auszuleben, wird also ohnehin beträchtlich eingeschränkt sein. Und die Tatsache, dass Alliance Boots keine Aktiengesellschaft ist, bedeutet außerdem, dass niemand ein wirklich legitimes Interesse daran hat, die Entscheidung als einen schlechten Schritt zu bezeichnen.

Andere gescheiterte Banker werden ohne Zweifel auch ihre zweite Chance erhalten. Aber solange Kandidaten wie Goodwin und der ehemalige Lehman-Chef Dick Fuld nicht Abbitte leisten wollen oder Fähigkeiten außerhalb des Bankgeschäfts an sich entdecken, sollten sie ganz lange auf der Ersatzbank sitzen bleiben.

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