Katar
Immer einen Tick zu langsam

Die Qatar Investment Authority hat erst die Offerte für die britische Sainsbury über elf Mrd. Pfund in den Sand gesetzt, dann hat der Staatsfonds die Börsenkriege gegen Dubai verloren. Und jetzt hat er, anstatt sich einen attraktiven Deal mit einer schwachen Bank zu sichern, Aktien von Credit Suisse gekauft, die prompt Abschreibungen über 2,85 Mrd. Dollar bekannt geben musste.

Der Staatsfonds von Katar ist ins Hintertreffen geraten. Die seit zwei Jahren bestehende Qatar Investment Authority (QIA) mit geschätzten Vermögenswerten über 60 Mrd. Dollar erarbeitet sich den Ruf, bei Investitionsentscheidungen ein bisschen langsam zu reagieren. Drei seiner jüngsten Vorhaben auf dem Markt gereichen dem jungen Sovereign Wealth Fund kaum zu Ruhm und Ehre.

Den ersten Fehler beging QIA mit Sainsbury. Im vergangenen November hatte der Fonds in letzter Minute sein als sicher geltendes Gebot über 13 Mrd. Pfund Sterling für die britische Supermarktkette zurückgezogen. Sicher, die Offerte sah überzogen großzügig aus, aber dennoch hat Katar zu lange gebraucht, um zur finanziellen Selbstdisziplin zu finden. Dass sich der Fonds um fünf vor zwölf aus dem Staub gemacht hat, nachdem er Sainsbury sechs Monate lang ernsthaft umworben hatte, hat kein gutes Licht auf seine Verlässlichkeit geworfen.

Einen zweiten Rückschlag erlitt der Fonds, als er in den globalen Börsenkriegen gegen den Konkurrenten Dubai verlor. QIA kaufte Anteile an der skandinavischen Börse OMX und der London Stock Exchange (LSE), nachdem wenige Stunden zuvor die staatliche Borse Dubai ähnliche Schritte angekündigt hatte. Die Nachahmer-Initiative konnte einen dreiseitigen Deal zwischen Dubai, OMX und Nasdaq nicht verhindern. Und Katar konnte sich im Aktionärsregister der LSE, einem möglichen Übernahmekandidaten, auch nicht an Dubai vorbeischieben. In der vergangenen Woche stellte Katar seinen zehnprozentigen Anteil an OMX zum Verkauf, sitzt aber immer noch auf seinen 20 Prozent an der LSE fest - hinter Borse Dubai, die einen Anteil von 28 Prozent hält.

Nachdem QIA bei diesen beiden Deals so schlecht aus den Startlöchern gekommen ist, werden jetzt Fragen zum jüngsten Vorhaben des Staatsfonds laut: Katar will eine Beteiligung an Credit Suisse über angeblich ein bis zwei Prozent durch Käufe auf dem offenen Markt aufbauen. Scheich Al Thani, Staatsoberhaupt von Katar und Chef von QIA, hat bestätigt, dass der Staatsfonds im kommenden Jahr bis zu 15 Mrd. Dollar in die Aktien westlicher Banken stecken will.

Bankaktien mögen billig aussehen. Doch Katar ist der erste große Sovereign Wealth Fund, der sich unaufgefordert bei in Schwierigkeiten geratenen westlichen Banken engagieren will. Die anderen Fonds haben über 60 Mrd. Dollar ausgegeben, aber sie waren dabei gleichzeitig in der Lage, attraktive Abschlüsse direkt mit den Banken auszuhandeln, die frisches Kapital benötigten.

Die Investition von Katar weist keine dieser Sondervergünstigungen auf. Und QIA kann auch nicht darauf drängen, bessere Konditionen auszuhandeln, wenn sich die Lage verschlechtert. Der starke Kursrückgang der Credit Suisse-Aktien nur Tage nach dem Kauf durch QIA lässt den Fonds nicht gerade sehr clever aussehen.

Es ist nicht ganz klar, warum Katar sich bisher noch nicht an einer der Kapitalerhöhungen der Banken beteiligt hat. Vielleicht war der Fonds nicht eingeladen oder er hat es vielleicht einfach nicht schnell genug kapiert. Seinen bisherigen Leistungen nach zu urteilen, trifft wohl eher Letzteres zu.

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