Kerkorian/Ford
Kirk kommt in friedlicher Absicht

Nachdem Kirk Kerkorian mit Chrysler und GM aneinander geraten war, hat sich der betagte Milliardär jetzt mit fünf Prozent an Ford beteiligt. Wegen des Stimmrechtsblocks der Ford-Familie dürfte er eine verhaltene Vorgehensweise wählen – solange sich der Erholungskurs des Unternehmens fortsetzt.

Nachdem Kirk Kerkorian mit Chrysler und GM aneinander geraten ist, richtet der über neunzigjährige Milliardär sein Augenmerk nun auf Ford. Er hat eine 100 Mill. Aktien umfassende Beteiligung an dem Autohersteller aufgebaut und will weitere 20 Mill. Aktien zu einem Aufschlag von 13 Prozent kaufen. In vielerlei Hinsicht ist dies eine klassische Kerkorian-Investition in eine etwas geknechtete Firma, die zufälligerweise gerade eine Menge Bares in den Büchern vorweisen kann – im Falle von Ford sind es liquide Mittel über 28,7 Mrd. Dollar im ersten Quartal. Aber dieses Mal scheint der Investor eine sanftere Vorgehensweise zu wählen.

Er hat auch allen Grund dazu. Zunächst einmal ist Ford in einer weit besseren Verfassung, als es GM oder Chrysler waren, als Kerkorian ursprünglich in sie investiert hatte. Der Autobauer verbuchte im ersten Quartal aufgrund seines überzeugenden Auftritts in Europa und Südamerika einen unerwarteten Gewinn. In den USA schreitet er rasch mit den Kostensenkungen voran. Weitere Verbesserungen sind wahrscheinlich, besonders wenn im Lauf des Jahres die 2007 getroffenen Vereinbarungen mit den Arbeitnehmern über die Gesundheitskosten greifen. Da sich das Unternehmen schon auf dem richtigen Kurs befindet, kann Kerkorian nicht viel dabei gewinnen, wenn er öffentlich recht viele lautstarke Strategie-Empfehlungen abgibt.

Darüber hinaus ist sein Anteil nur halb so groß wie der, den er bei GM gehalten hatte. Und die Familie Ford kontrolliert aufgrund der multiplen Aktienklassen von Ford rund 40 Prozent der Stimmrechte. Kerkorians Einfluss ist daher begrenzt. Allerdings wird er ohne Zweifel seinen Wünschen hinter den Kulissen Ausdruck verleihen. Dass er sich dem Management eines Unternehmens gegenüber behaupten kann, hat er ja schon oft eindrucksvoll bewiesen.

Eine Möglichkeit wäre, dass er eine Zusammenarbeit mit der Renault/Nissan-Allianz anstrebt. Kerkorian hatte schon versucht, GM in dieses Bündnis zu drängen, um dadurch in erheblichem Umfang Kosten zu senken. Eine Verbindung mit Ford könnte ähnlich reizvoll sein. Und der Chef von Renault/Nissan, Carlos Ghosn, sucht trotz der jüngsten Probleme in Japan immer noch einen Partner in Nordamerika. Und vielleicht treiben ihn ja genau diese Schwierigkeiten jetzt noch stärker dazu an, die Allianz auszudehnen. Natürlich kann sich Ford, jetzt wo Kerkorian zusteigt, glücklich schätzen, dass die Firma schon den richtigen Weg eingeschlagen hat. Falls sie auf ihrem Erholungskurs in Schlaglöcher fällt, könnte der Passagier auf dem Rücksitz seine Forderungen allerdings immer lauter zum Ausdruck bringen.

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