Kerkorian und Ford
Captain Kirk gerät ins Wanken

Die Entscheidung des Investors Kirk Kerkorian, sich mit 6,5 Prozent an Ford zu beteiligen, hatte von Anfang an riskant ausgesehen. Zusätzlich hat der Milliardär das Vorhaben dadurch verschlimmert, dass er fallende MGM-Aktien als Sicherheiten ausgelobt hat. Jetzt verkauft er die Beteiligung an dem Autohersteller und bleibt auf einem Verlust über 650 Mill. Dollar sitzen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass der Investor Kirk Kerkorian als einer der potenziellen Retter der Detroiter Autobauer angesehen wurde. Aber seinem jüngsten Versuch, mit Hilfe einer Beteiligung an Ford in Motor City einzurollen, ist der Sprit ausgegangen. Er hat sich bereits von einem Teil seiner Aktien an dem taumelnden Autohersteller getrennt und wird vielleicht alle Anteile abstoßen. Derzeit sitzt er auf einem Papierverlust von 650 Mill. Dollar.

Die Investition hatte ohnehin schon riskant ausgesehen, als Kerkorian im April damit angefangen hatte, die ersten Anteile zu kaufen: Die sich verschlechternde Wirtschaftslage, die verschärften Kreditbedingungen und steigende Kraftstoffpreise hatten Ford dazu veranlasst, alle Hoffnungen darauf, bis zum kommenden Jahr die Gewinnzone zu erreichen, fahren zu lassen. Trotzdem machte Kerkorian mit seinen Zukäufen weiter. In einer Tender-Offerte für 20 Mill. Aktien bot er 8,50 Dollar je Aktie - fast ein Drittel über dem damaligen Aktienkurs. Der Deal war um mehr als das Vierzigfache überzeichnet.

Seitdem ist der Aktienkurs von Ford um 60 Prozent und mehr gefallen. Aber Kerkorian hat die Situation dadurch verschlimmert, dass er fallende MGM-Aktien als Sicherheit für seine Kreditlinie, um Ford-Aktien zu kaufen, ausgelobt hatte. Damit läuft er Gefahr, zum Opfer einer Krankheit zu werden, die man wohl mit Oligarchen-Schwindsucht bezeichnen könnte.

Die russischen Milliardäre Alisher Usmanow und Oleg Deripaska sahen sich beide jüngst bei einigen ihrer Investitionen Nachschussforderungen ausgesetzt - Deripaska musste seinen Anteil über 25 Prozent an Magna abgeben, dem kanadischen Autozulieferer, der im vergangenen Jahr neben Kerkorian über eine Offerte für Chrysler nachgedacht hatte.

Tatsächlich hat Kerkorians Investment-Vehikel Tracinda erst in der vergangenen Woche der Bank of America weitere 50 Mill. MGM-Aktien als Sicherheit ausgehändigt. Die Titel des Unterhaltungskonzerns waren innerhalb von sechs Monaten um fast 75 Prozent eingebrochen, wodurch der ursprüngliche Block an Aktien, den Tracinda für seine Ford-Kreditlinie zugesichert hat, nur noch 700 Mill. Dollar wert ist - damit liegt er um fast ein Drittel unter den Kosten, die dem Neunzigjährigen bei der Anhäufung seiner 6,5prozentigen Beteiligung an Ford zwischen April und Juli entstanden waren.

Zugegeben, die insgesamt 100 Mill. an MGM-Aktien decken Kerkorians Auslagen leicht. Und es zeichnet sich nicht ab, dass die Bank of America auf weitere drängt. Aber nachdem Kerkorian 2006 sich mit einem Gewinn von 100 Mill. Dollar von General Motors verabschiedet hatte, und nachdem er es mit Glück oder aufgrund seines Urteilsvermögens geschafft hatte, die Chrysler-Auktion nicht zu gewinnen, bereitet Kerkorians Ford-Fiasko seiner unbeholfenen Einmischung in Detroit ein unrühmliches Ende.

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