Kernkapitalquote
Druck auf Deutsche Bank wächst

Nach gestrigen Maßstäben ist die Deutsche Bank gut mit Kapital ausgestattet, aber nicht nach den Anforderungen von morgen. Die Konkurrenten in ganz Europa decken sich ein, entweder auf eigene Faust oder mit Regierungshilfe. Die Deutsche Bank kann Vermögenswerte abstoßen und die Dividende kürzen. Aber wahrscheinlich wird das Institut noch mehr tun müssen.

Selbst gut mit Kapital ausgestattete Banken brauchen mehr. Die Deutsche Bank ist dafür ein gutes Beispiel. Das Kreditinstitut meldete per Ende September eine Kernkapitalquote von etwa zehn Prozent. Nach gestrigen Maßstäben ist dies komfortabel, nach den künftigen aber nicht.

Credit Suisse und ING haben sich der Problematik gestellt. Credit Suisse, zum Beispiel, hat ihre Kernkapitalquote um ein Drittel auf 13,7 Prozent aufgestockt, indem sie bestehende Aktionäre angezapft hat. Die britische Regierung setzt ebenfalls alles daran, die Kernkapitalquoten der Banken auf über elf Prozent zu hieven - und stellt in vielen Fällen das Kapital dazu bereit.

Wenn die Deutsche Bank da nicht mithält, könnte sie ins Hintertreffen geraten. Der Druck könnte für den deutschen Bankenprimus sogar noch größer sein, weil die Bank illiquide Vermögenswerte von enormem Ausmaß hält, mehr als ihre Konkurrentinnen aufnimmt und der tief verwundeten Welt des Investment Banking stärker ausgeliefert ist als einige der anderen Institute.

Eine einzige Kernkapitalquote passt zwar nicht auf alle Banken, aber ein Vergleich mit Barclays lohnt sich. Die Deutsche Bank verfügt über einen ähnlichen Geschäfts-Mix und eine vergleichbare Bilanz. Ihre Credit Default Swaps (CDS), ein Marktbarometer für die Wahrscheinlichkeit ihrer Insolvenz, werden ungefähr auf dem gleichen Niveau wie die CDS von Barclays gehandelt. Das britische Institut will eine Kernkapitalquote von "über elf Prozent" erreichen. Die Deutsche Bank würde, ausgehend von den 305 Mrd. Euro an risikogewichteten Vermögenswerten, die sie zum Ende des zweiten Quartals in den Büchern stehen hatte, weitere 4,6 Mrd. Euro benötigen, um eine Kernkapitalquote von 11,5 Prozent zu erzielen.

In gewissem Maße scheinen die Deutsche Bank-Manager in dieser Angelegenheit mit hellseherischen Kräften begabt gewesen zu sein.

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