Kernkapitalquote
Lloyds zaubert sich Geld herbei

Lloyds braucht offenbar 25 Mrd. Pfund Sterling, um sich der Versicherung für Kreditverluste der britischen Regierung zu entziehen. Doch eine Bezugsrechtsemission würde vermutlich nur etwa die Hälfte dieses Betrags beisteuern. Ein Tausch hybrider Schuldtitel gegen Wandelanleihen könnte die Lücke schließen und dabei den Anteil der Regierung verwässern. Doch ein solcher Plan ist nicht so leicht umzusetzen.

Die Lloyds Banking Group braucht 25 Mrd. Pfund Sterling. Doch selbst über eine gigantische Bezugsrechtsemission kann die britische Bank nur etwa die Hälfte dieser Summe einsammeln. Für den Rest müssen clevere Kapitalzaubertricks sorgen.

Die magische Zahl umfasst den Betrag, den Lloyds privat aufbringen muss, um sich der Versicherung für Kreditverluste der britischen Regierung entziehen, die den Nachteil hätte, dass sich Lloyds der staatlichen Kontrolle überantworten müsste. Wenn Lloyds so viel Geld einsammeln könnte, dann würde die Tier 1-Kernkapitalquote des Instituts von 6,3 Prozent auf bombensichere 11,5 Prozent hochschnellen. Mit einer Bezugsrechtsemission lassen sich aber vielleicht nur etwa 15 Mrd. Pfund erlösen. Außerdem müsste sie auch von der Regierung, die 43 Prozent an Lloyds hält, gezeichnet werden.

Doch Lloyds feilt gerade an einem genialen Plan, um die Lücke zu schließen. Wenn die Bank die Inhaber von nicht zum Kernkapital zählenden Tier 1-Wertpapieren und Titeln aus dem oberen Tier 2-Bereich, also von so genannten "hybriden Schuldtiteln", über 17,7 Mrd. Pfund Sterling dazu überreden kann, diese in Stammaktienkapital zu tauschen, würde sich ihre Kernkapitalposition verbessern, während gleichzeitig der Anteil der Regierung einer Verwässerung auf gerade einmal noch 33 Prozent unterzogen würde.

Den Inhabern hybrider Titel müsste natürlich ein Anreiz für ihre Mitarbeit geboten werden. Eine Lösung könnte darin bestehen, ihnen eine Wandelanleihe in irgendeiner Form anzubieten, die sich in Stammaktien wandeln ließe, wann immer die Tier 1-Kernkapitalquote von Lloyds unter die Schwelle von fünf Prozent sinkt. Die hybriden Papiere rentieren mit rund acht Prozent, schätzen Analysten. Das bedeutet, dass Lloyds vielleicht einen Kupon von zwölf Prozent anbieten müsste. Diesen zu bedienen, würde im Jahr zusätzlich 480 Mill. Pfund kosten. Doch diese Extraausgaben wären immer noch kostengünstiger als der implizierte jährliche Aufschlag von 2,2 Mrd. Pfund für das staatliche Versicherungsprogramm.

Der Haken an einem solchen Plan besteht allerdings darin, dass die Aktien von Lloyds mit einem Abschlag gehandelt werden könnten, um den Aktienüberhang und die Schwierigkeit widerzuspiegeln, die Wandelpapiere zu bewerten. Doch dieses Problem könnte an sich reduziert werden. Die hybriden Titel umfassen 6,8 Mrd. Pfund an so genannten innovativen Tier 1-Wertpapieren, die derzeit zu 50 Prozent des Nennwerts gehandelt werden. Wenn Lloyds Aktien begeben würde, um diese Papiere mit einem leichten Aufschlag, sagen wir zu 60 Prozent des Nennwerts, zurückzukaufen, würde sich das Tier 1-Kapital um 5,4 Mrd. Pfund erhöhen, schätzt JP Morgan basierend auf einer Akzeptanzquote von 80 Prozent. Lloyds könnte dann die Wandelanleihenemission um die Hälfte reduzieren.

Alles dies mag jetzt übertrieben kompliziert klingen. Aber wenn Lloyds dies durchziehen kann, könnte die Bank damit beträchtlich mehr erreichen, als einfach nur den Anteil der Regierung zu verringern. In einer Stellungnahme vom Donnerstag schrieb die Bank, sie gehe nicht davon aus, dass die Veräußerungen, die ihr von der EU-Kommission im Gegenzug zu der erhaltenen staatlichen Unterstützung auferlegt worden sind, ihre Finanzen wesentlich beeinflussen werden. Wenn Lloyds zu starken Druck aus Brüssel vermeiden kann, indem sie sich von dem Versicherungsprogramm fernhält, dann könnten sich die Tricks in der Passivsteuerung als unbezahlbar erweisen.

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