Klimagipfel
Kopenhagen-Fiasko darf nicht zur Untätigkeit verleiten

Der von der UN geförderte Klimagipfel, der in der vergangenen Woche in einem Fiasko endete, zeigt die Grenzen eines übermäßig ehrgeizigen Projekts. Aber er lässt auch Raum für nationale Aktivitäten, regionale Abkommen und zielgerichteten Druck auf die Verweigerer. Die USA, Europa und China müssen die Scherben einsammeln.
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Selbst die besten Schönredner der Welt konnten dem Klimagipfel in Kopenhagen kaum Glanz verleihen. Vertreter von 120 Ländern trafen sich in der dänischen Hauptstadt mit dem ernsten Vorsatz, ein internationales Abkommen zu entwerfen, dass dem von Menschen verursachten Klimawandel entgegenwirken sollte. Aber alles was dabei herauskam, ist ein vager Text mit ein paar guten Absichten, der frei von jeder Verbindlichkeit ist. Auch die Vorstellung, dass gar kein Vertrag besser sei als ein hastig und schlecht zusammengezimmerter, kann über dieses Desaster kaum hinwegtrösten.

Der Fehlschlag in Kopenhagen hat weniger mit fehlendem Handlungswillen zu tun als vielmehr mit einem falschen Ansatz. Ganz im Stil der UN saß jeder Teilnehmer am Tisch, jede Stimme zählte und jede flüchtige Länderkoalition brauchte nur zu rufen, um schon angehört zu werden. Etwas bescheidenere Prozesse könnten dem ursprünglichen Ziel des Klimagipfels näherkommen - einer Begrenzung des durch den Menschen verursachten globalen Temperaturanstiegs auf zwei Prozent verglichen mit den Temperaturen im vorindustriellen Zeitalter.

Schon vor Kopenhagen wurde einiges erreicht. Aber es bleibt noch ein hartes Stück Arbeit, zu verhindern, dass sich das diplomatische Fiasko zu einer ökonomischen und ökologischen Krise ausweitet. Präsident Obama hat erkannt, wie ernst der Klimawandel ist, und der chinesischen Regierung ist inzwischen auch bewusst, dass sie handeln muss, sei es aus binnenwirtschaftlichen oder diplomatischen Gründen. Die EU, die ernsthaft zusätzliche Emissionsbeschränkungen anbot, könnte die Beziehungen zu den ärmsten Nationen verbessern, die ausländische Investitionen brauchen, um die neuen Forderungen erfüllen zu können.

Im nächsten Schritt könnten stärker regionale oder sogar bilaterale Abkommen ins Auge gefasst werden. Durch einen pragmatischen Stück-für-Stück-Ansatz - im Gegensatz zum maximalistischen UN-Weg - lassen sich vielleicht auch die Neinsager mit sanftem Druck ins Boot holen.

Längerfristig haben alle Staaten die gleichen Interessen. Sie wollen massive private Investitionen anregen - Hunderte von Milliarden Dollar pro Jahr -, die notwendig sind, um die durch den Menschen verursachten Treibhausgase spürbar zu reduzieren. Um dieses Kapital in Richtung neue Technologien oder neue Prozesse zu lenken, brauchen Unternehmen verlässliche CO2-Preisprognosen und faire Wettbewerbsbedingungen. Kopenhagen konnte keins von beiden bieten. Der Kampf ist aber noch lange nicht vorbei.

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