Kolumne „Off Screen“
Bei Facebook fällt die Geburtstagsfeier aus

Bei einem Besuch auf dem Campus des weltgrößten Sozialen Netzwerkes in Menlo Park ist von Optimismus keine Spur. Ein Jahr nach dem Börsengang suchen Gründer und CEO Mark Zuckerberg und seine 5000 Mitarbeiter nach einem Wachstumsmodell. Die Investoren wenden sich vom einstigen Star des Silicon Valley tief enttäuscht ab.
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Mark Zuckerberg spricht in der Eingangslobby via Videoleinwand an seine Mitarbeiter und Gäste. Die Worte des Gründers und CEOs von Facebook sind nur schwer zu verstehen. In der Mittagszeit herrscht auf dem verwinkelten Firmengelände in Menlo Park, rund 45 Minuten von San Francisco, ein Kommen und Gehen. Das weltgrößte soziale Netzwerk ist mit seinen Nutzern explosionsartig gewachsen. Allein in der kalifornischen Konzernzentrale mit den knallroten Fußgängerbrücken arbeiten 2.500 Mitarbeiter, weltweit sind es 5.000 – Tendenz weiter steigend. In den hallenartigen Büros herrscht drangvolle Enge. Schreibtischkante an Schreibtischkante arbeiten die Facebooker – Durchschnittsalter Anfang Dreißig – unermüdlich an diesem heißen Frühlingstag. An den Wänden hängen Motivationssprüche, die aus George Orwells „1984“ stammen könnten. Einer lautet: „Honesty is as much saying as it is saying what is true.“ 

Der Zufall wollte es so, dass ich genau zum einjährigen Jubiläum des Börsengangs die Konzernzentrale von Facebook besuche. Und das Kuriose: Die einstige Zuversicht ist verflogen. Auf dem Campus verschlingen die Mitarbeiter ihre Hamburger samt Diet Coke, die ihnen der Konzern täglich kostenlos spendiert. Es herrscht eine angespannte, emsige Arbeitsatmosphäre. „Nein, eine Geburtstagsfeier gibt es nicht“, sagt mir Arielle, die mich durch das Gewirr von Gebäuden mit den Nummern von 10 bis 18 den Weg weist. Kein Wunder, denn es gibt derzeit bei Facebook nichts zu feiern. 

Die Facebook-Aktie erwies sich bislang als bittere Enttäuschung. Pünktlich zum ersten Jahrestag des Börsengangs lag der Kurs des Papiers um ein Drittel niedriger als bei der Emission vor einem Jahr. Zum Vergleich: Die Aktie des Internetkonzerns Google legte im gleichen Zeitraum rund 60 Prozent zu. Die Marktkapitalisierung von Facebook beläuft sich auf nur noch 68 Milliarden Dollar. Zum Börsenstart waren es noch fulminante 104 Milliarden.

Das ungelöste Problem für Facebook: Das soziale Netzwerk kann seine Nutzer – weltweit über eine Milliarde – nicht monetarisieren. Noch immer stammen rund vier Fünftel der Erlöse von der Werbung in der rechten Spalte der Facebook-Seite. An Versuchen fehlt es bislang nicht, neue Erlösquellen anzuzapfen – egal ob auf dem Smartphone oder über E-Commerce oder Informationsdienste. Nur: Einen richtigen Durchbruch schaffte Zuckerberg mit seinen Heerscharen von Entwicklern bislang nicht – auch wenn das Geschäft mit Anzeigen auf Mobiltelefonen dem Konzern zu einem Umsatzwachstum auf knapp 1,5 Milliarden Dollar im vergangenen Quartal verholfen hat.

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Das neue Facebook-Mantra funktioniert noch nicht

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