Kolumne „Off Screen“: Bei RTL ist die Phantasie raus

Kolumne „Off Screen“
Bei RTL ist die Phantasie raus

Ein milliardenschwerer Teil des Fernsehkonzerns RTL soll an die Börse. Doch für den Mutterkonzern Bertelsmann wird es nicht einfach, das Aktienpaket zu einem guten Preis zu verkaufen.
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Bertelsmann-Chef Thomas Rabe braucht dringend Geld, wenn er das Gütersloher Familienunternehmen wieder in die Champions League bringen will. Deshalb will der nicht gerade unter Selbstzweifel leidende Manager 17,3 Prozent an der in Luxemburg beheimateten RTL Group an die Börse bringen. Das soll nach heutigem Stand rund 1,5 Milliarden Euro in Kasse der Gütersloher spülen. Damit ist die TV-Gruppe ein Kandidat für den MDax.

Doch das hat einen Haken. Denn bei der RTL Group mit ihren 53 Fernseh- und 28 Radiosendern ist längst die Phantasie raus. In den vergangenen Jahren hat der europäische Branchenprimus einige herbe Niederlagen einstecken müssen. Die Senderfamilie Five in Großbritannien musste wegen Erfolgslosigkeit verkauft werden. Die Expansion nach Griechenland mit Alpha erwies sich als Desaster. In wichtigen Wachstumsmärkten wie Polen oder der Türkei konnte die Bertelsmann-Tochter nie Fuß fassen.

Und in den traditionellen Märkten wachsen die Bäume längst nicht mehr in den Himmel. Frankreich, Benelux und Spanien hängen durch. In der Vergangenheit hat es die deutsche Senderfamilie (RTL, Vox, Super RTL, N-TV, RTL Nitro, RTL 2) immer wieder geschafft, das Ergebnis der RTL Group herauszureißen. Ob das in Zukunft weiter gelingt? Der Aktienkurs der RTL Group spricht Bände. Von den glanzvollen Zeiten zur Jahrtausendwende ist er meilenweit entfernt, seit Jahresanfang brach er fast um ein Viertel ein.

Es wird daher nicht einfach, das Aktienpaket über die Börse bis Mitte Mai zu einem guten Preis zu verkaufen. Denn eines ist klar: Der Bertelsmann-Konzern kann mit den noch verbleibenden 75 Prozent schalten und walten, wie er will. Das macht die Aktie aber unattraktiv.

Zudem erinnern sich Investoren an eines: Wenn Bertelsmann Geld brauchte, fungierte RTL stets als Bank. So genehmigten sich der ostwestfälische Mehrheitsgesellschafter und die wenigen freien Aktionäre eine Dividende von zuletzt 1,6 Milliarden Euro. Dieses Geld fehlt nun den Luxemburgern, um den digitalen Umbau des Konzerns voranzutreiben und neue Märkte anzugreifen.

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