Kolumne „Off Screen“
Boxkampf zwischen CSU und ZDF

In einem Offenen Brief rüffelt die CSU die Berichterstattung im „heute journal“. Trotz mitunter berechtigter Kritik sollten die Bayern endlich einsehen: Die Sender gehören nicht den Parteien, sondern den Bürgern.
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DüsseldorfWenn ausgerechnet die CSU von „aller Offenheit und Transparenz“ spricht, lohnt es sich genau hinzusehen. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der Parteimanager mit der smarten Brille, hat sich an den Schreibtisch gesetzt, um einen Offenen Brief an ZDF-Intendant Thomas Bellut zu formulieren. In dem Schreiben (nicht ohne Rechtschreibfehler) zieht er dem Moderator Claus Kleber und seiner „heute journal“-Redaktion so richtig die Ohren lang.

Dobrindt mosert über einen Event-Manager, der den CSU-Parteikonvent mit einem Boxkampf oder einer Casting-Show verglichen hatte. Er kritisiert die Behauptung Klebers, das gezeigte Parteivideo sei im letzten Moment wegen der Steueraffäre des CSU-Lieblings Uli Hoeneß oder wegen des Skandals um den geschassten Fraktionsvorsitzenden Georg Schmid, der seine Ehefrau über Jahre als selbstständige Bürokraft angestellt hatte, frisiert worden – obwohl die Partei das dementiert hatte. Das Dementi der Münchener blieb in Mainz tatsächlich unbemerkt, ein Anruf der Redaktion in der Parteizentrale gab es nicht. Das war ein Fehler, den Kleber richtigerweise schnell bedauert hat.

Damit keine Zweifel aufkommen: Natürlich muss über eine inkorrekte Darstellung diskutiert und falsche Behauptungen korrigiert werden – auch im Fall der CSU-Berichterstattung. Die journalistische Fairness ist das oberste Gebot, auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Doch der CSU geht es im Fall „heute journal“ um viel mehr. Den Boxkampf, den die Partei mit dem ZDF derzeit aufführt, dient vielmehr der Einschüchterung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens – nach dem Motto: „Wenn ihr nicht brav sein, gibt's eine Watschn im medialen Bierzelt“. Anders ist die ungewöhnliche Form des Offenen Briefes und dessen Veröffentlichung auf der Internetseite der Partei nicht zu verstehen.

Damit geht die Auseinandersetzung zwischen der bayerischen Partei und der Mainzer Anstalt in eine neue Runde. Seit Jahren sind die Münchener unzufrieden. Das kann für ZDF-Redakteure gefährlich werden. Vor vier Jahren gelang es den damaligen CSU-Chefs und dem bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zusammen mit seinem Amtskollegen Roland Koch, die Ablösung des ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender durchzusetzen.

Doch glücklicherweise ändern sich die Zeiten. Seit der Einführung der neuen Rundfunkgebühr wächst der Unmut über den dreisten Durchgriff der Parteien bei den Anstalten. Denn seit Jahresbeginn zahlen alle Haushalte für die Fernseh-, Radio- und Internetangebote der Öffentlich-Rechtlichen. Immer mehr Menschen akzeptieren nicht mehr, dass die Parteien ARD und ZDF als ihr Eigentum begreifen. Denn die Anstalten gehören den Bürgern, die dafür jährlich mehr als 7,5 Milliarden Euro zahlen. Vor diesem Hintergrund steigt auch das Selbstbewusstsein der Redaktionen. Die kritische Moderation eines Claus Kleber zum CSU-Parteikonvent wäre noch vor wenigen Jahren so nicht vorstellbar gewesen. Es gehört zu den Vorzügen des konservativen ZDF-Intendanten Bellut, dass der gelernte Journalist mittlerweile ein Klima auf dem Mainzer Lerchenberg geschaffen hat, in dem der politische Spielraum größer geworden ist als bei seinem Vorgänger.

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Die heile Medienwelt der CSU

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  • Trotzdem wollen sie Geld von dir !!

  • Sorry, aber ich brauche ARD und ZDF nicht und fühle mich von diesen auch nicht unabhängig und neutral informiert.

    Die meisten Journalisten dort sind doch besserwisserische Gutmenschen mit rot-grünem Einschlag. Und dafür zahl ich auch noch horrende Gebühren!

    Kein Land der Welt leistet sich einen so teuren öffentlich-rechtlichen Rundfunk wie Deutschland...

  • Laut einer Studie des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin sympathisiert die große Mehrheit der Journalisten mit RotGrün (vor allem mit den Grünen). Und nicht nur das: 32,5 Prozent der Befragten geben an, mit ihrer Arbeit "die politische Tagesordnung beeinflussen und Themen auf die Agenda setzen" zu wollen.
    => Die Medien in Deutschland gehören nicht den Bürgern sondern den RotGrünen Meinungsmacher.

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