Kolumne „Off Screen“
Ein Ende als Anfang für Griechenlands Staatsfunk

Griechenlands Premier Samaras beweist politischen Mut: Mit dem Abschalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ERT eröffnet er endlich die Chance auf ein effizientes, transparentes und unabhängiges Fernsehen und Radio.
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So mutig wie Griechenlands Premier Antonis Samaras hat bislang noch kein europäischer Regierungschef eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks angefasst. Der Harvard-Absolvent ließ in der vergangenen Woche die Fernseh- und Radiosender überraschend abschalten, um einen Neustart des staatlichen Rundfunks zu ermöglichen. Die Ellinikí Radiofonía Tileórasi (ERT) ist mit acht Fernsehkanälen und 29 Radiosendern ein aufgeblähter Medienapparat, der immer wieder durch Verschwendung, Ineffizienz und Korruption von sich reden macht. Bei der Besetzung der vielen Posten herrschte seit Jahrzehnten byzantinische Günstlingswirtschaft.

Ob der Neuanfang gelingt, steht auf Messers Schneide. Denn Samaras Koalitionspartner wollen den Schritt torpedieren und lassen womöglich die Koalition mit dem konservativen Regierungschef platzen. Das wäre ein politisches Desaster für das krisengeplagte Land am Rande Europas, das wirtschaftlich in den Abgrund blickt und dringend auf die finanziellen Hilfen aus dem Ausland angewiesen ist.

Der Widerstand im rechten und linken Lager ist verlogen. Denn der Schritt des konservativen Premiers macht viel Sinn, weil die ERT schlichtweg zu einer Katharsis nicht in der Lage ist. Der Ausschaltknopf ist für die Athener Regierung die einzige Möglichkeit, endlich die Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks umzusetzen. Ein guter öffentlich-rechtlicher Rundfunk für so ein überschaubares Land wie Griechenland lässt sich zweifellos auch mit weniger Sendern und der Hälfte des Personals machen.

Doch mit mitregierenden Sozialisten von der Pasok und der Demokratischen Linke fordern die sofortige Wiederherstellung des alten Systems, dass durch Korruption, Misswirtschaft und Personalschiebereien immer wieder Schlagzeilen gemacht hat. Ihr Bekenntnis zur ERT ist nichts anderes als Heuchelei. Denn sie wissen wie teuer und ineffizient das bisherige Rundfunksystem ist.

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Ein Neustart birgt Chancen

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  • Da könnte sich Deutschland ein Beispiel nehmen!

  • Tja, früher der Volksempfänger und heute ARD & ZDF die alle wie verordnet den selben Senf bringen...ach ja und...

    "Griechenlands Premier Samaras beweist politischen Mut: Mit dem Abschalten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ERT eröffnet er endlich die Chance auf ein effizientes, transparentes und unabhängiges Fernsehen und Radio. "

    Wenn das deren Sorgen dort momentan sind, dann gute Nacht!

  • Das ARD und ZDF dagegen sind ist klar. Der GEZ gehört auch der Hahn abgedreht.

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