Kolumne „Off Screen“
Gefährliche Börsenspiele

Die ARD ist über ihre Tochter Bavaria Film an dem börsennotierten TV-Dienstleister Cinemedia beteiligt. Seit Jahren macht die Münchner Firma mit roten Zahlen ihrem öffentlich-rechtlichen Großaktionär große Sorgen. Ein Ausstieg ist überfällig.
  • 1

Wer auf der Chefetage von RTL 2 seine Blicke in Richtung Süden schweifen lässt, reibt sich verwundert die Augen. Denn erst vom obersten Stockwerk des Privatsenders im Münchner Nobelvorort Geiselgasteig ist die ganze Dimension des übergroßen Nachbarn Bavaria Film („Sturm der Liebe“, „Heiter bis tödlich“) richtig zu erkennen. Die Filmtochter, die fast komplett den vier ARD-Sendern Westdeutscher Rundfunk, Bayerischer Rundfunk, Mitteldeutscher Rundfunk und Südwestrundfunk gehört, verfügt über ein eindrucksvolles, parkähnliches Geländes von etlichen Quadratkilometern.

Die Geheimniskrämerei um die Zahlen hat bei der ARD-Tochter Methode. Eine ausführliche Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung hat die Bavaria Film noch nie vorgelegt. Transparenz blieb und bleibt für die ARD-Tochter stets ein Fremdwort. Daran hat auch der Wechsel in der Geschäftsführung zu Matthias Esche und Achim Rohnke vor fünf Jahren nichts geändert. Dabei gehört das Unternehmen den Gebührenzahlern. Sie haften über die mit 7,5 Milliarden an Rundfunkgebühren finanzierten Mehrheitsgesellschafter WDR, SWR, BR und MDR für etwaige Schieflagen.

Warum präsentiert die Bavaria Film nicht den Bürgern ihre Bilanz? Vielleicht gibt es dafür einen einfachen Grund – nämlich die schlechten Geschäfte? Nach Recherchen des „Focus“ soll die Bavaria Film im Geschäftsjahr 2012/13 einen Verlust von 5,7 Millionen Euro eingefahren haben. Hauptgrund für die roten Zahlen sollen Wertberichtigungen von minus sechs Millionen Euro für die börsennotierte Tochter Cinemedia Film AG gewesen sein. An diesem technischen Dienstleister hält die ARD-Tochter 28,06 Prozent der Aktien.

Die Postproduktionsfirma ist für ihren Großaktionär Bavaria Film seit Jahren ein Albtraum. Bei einem Konzernumsatz von nur 33,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr schaffte es die Cinemedia Film AG einen Verlust von 6,8 Millionen Euro einzufahren. Die Firma ist ein Opfer der lang vorsehbaren Digitalisierung. Bislang hat es das auf dem Gelände der Bavaria Film ansässige Unternehmen nicht geschafft, die stark rückläufige analoge Filmbearbeitung in den Kopierwerken durch Zuwächse in der digitalen Postproduktion zu kompensieren. Die Folge: tiefrote Zahlen und katastrophale Aktienkursentwicklung. An der Börse ist die Cinemedia Film AG heute mit einer Marktkapitalisierung von knapp acht Millionen Euro kaum mehr als eine Lachnummer. Zuletzt notierte die Aktie bei rund 70 Cent, weit entfernt von den Höchstständen vor drei Jahren bei über drei Euro.

Am 23. August wird die Cinemedia ihren Halbjahresbericht vorlegen. Ob sich die darauf die öffentlich-rechtlichen Aktionäre freuen können? Zuletzt machte der Vorstand den Eigentümern wenig Hoffnung auf eine radikale Kehrtwende zum Besseren, auch wenn bereits im vergangenen Jahr die unrentablen Kopierwerke in Hamburg und München geschlossen wurden.

Seite 1:

Gefährliche Börsenspiele

Seite 2:

Beendet Buhrow die Beteiligung?

Kommentare zu " Kolumne „Off Screen“: Gefährliche Börsenspiele"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Cinemedia bereitet den "öffentlich-rechtlichen Grossaktionaer" grosse Sorgen" - WER bitte, soll das denn glauben?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%