Kolumnen

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Kolumne „Off Screen“: Herr im eigenen TV-Haus

Bei Deutschland größtem Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 kann Vorstandschef Thomas Ebeling nach dem Ausstieg der Investoren nach eigenem Gusto Schalten und Walten. Doch das Unternehmen hängt vom deutschen Medienmarkt ab.

Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.
Handelsblatt-Reporter Hans-Peter Siebenhaar schreibt immer montags seine Kolumne „Off Screen“.

Weder Georg Kofler noch Urs Rohner oder gar Guillaume de Posch waren als Vorstandschefs von Pro Sieben Sat 1 so mächtig wie Thomas Ebeling. Der Manager, der seit Handwerkszeug in der Zigaretten- und Pharmaindustrie gelernt hat, kann künftig nach eigenem Gusto schalten und walten. Denn die großen Aktionäre, die beiden Finanzinvestoren Permira und KKR, aber auch der niederländische Medienkonzern Telegraaf Media steigen bei der Geldmaschine aus Unterföhring aus.

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Erst in der vergangenen Woche verkündete Telegraaf Media seinen Abschied aus dem deutschen Fernsehmarkt. Für die Holländer war die Beteiligung an dem Unterföhringer MDax-Konzern ein ziemlich gutes Geschäft. Schließlich spült die Veräußerung des sechsprozentigen Anteils fast 400 Millionen Euro in ihre Kassen. Durch die jüngste Umwandlung aller Papiere in stimmberechtigte und vor allem handelbare Stammaktien schuf Ebeling die Voraussetzung für diesen gewinnbringenden Abschied.

Für die Niederländer war das Aktienpaket bei Pro Sieben Sat 1 ohnehin nur eine reine Finanzbeteiligung, denn die Senderkette konzentriert sich nach dem Rückzug aus Benelux und Skandinavien auf den deutschen Heimatmarkt.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich auch die beiden Finanzinvestoren KKR und Permira aus Pro Sieben Sat 1 zurückziehen. Durch die Börsennotierung der Pro Sieben Sat 1-Stammaktien verringerte sich der Stimmenanteil der Private-Equity-Häuser bereits von 88 auf 44 Prozent. Vor kurzem haben sie weitere elf Prozent an institutionelle Investoren verkauft.

Ein großartiges Geschäft für KKR und Permira. Denn vom Hollywood-Milliardär Haim Saban erwarb das Tandem Ende 2006 die Aktie für 28,71 Euro pro Stamm- und 22,40 Euro pro Vorzugsaktie. Am heutigen Montag notierte das Papier des MDax-Konzern noch immer deutlich über 30 Euro. Zuletzt gönnten sich KKR und Permira zudem eine üppige Dividende von 5,63 Euro je Stammaktie. Das waren mehr als 540 Millionen Euro.

Marktanteile der TV-Sender

  • Platz 1: ZDF

    Das ZDF hatte 2013 einen Marktanteil von 12,8 Prozent.

  • Platz 2: ARD

    Die ARD kommt auf 12 Prozent Marktanteil, bei der jungen Zielgruppe erreicht der Senderverbund eine Einschaltquote von 6,3 Prozent.

  • Platz 3: RTL

    RTL hat mit einem Marktanteil von 10,4 Prozent insgesamt weniger Reichweite als ARD und ZDF, liegt aber bei den jungen Zuschauern mit 13,3 Prozent vorn.

  • Platz 3: Sat 1

    Sat 1 hat 8,3 Prozent Marktanteil, bei den 14- bis 49-Jährigen mit 9,2 Prozent etwas mehr.

  • Platz 4: Pro Sieben

    Ähnlich wie RTL ist Pro Sieben vor allem bei den jüngeren Zuschauern beliebt: 5,5 Prozent Marktanteil insgesamt, 11,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen.

  • Platz 5: Vox

    Vox hat 5,3 Prozent Marktanteil (7,3 Prozent bei den Jüngeren). Der Sender gehört zur RTL-Gruppe.

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Ebeling komplett allein der Herr im Hause sein. Denn die restlichen 33 Prozent der beiden Finanzinvestoren soll ebenfalls platziert werden. Der Manager hat keine Zweifel daran gelassen, dass er statt Großaktionären eine möglichst breite Eigentümerstruktur vorzieht. Diesem Ziel ist er nun sehr nahe gekommen.

Der Vorstandschef braucht ohnehin wenig Rücksichten zu nehmen. Denn Pro Sieben Sat 1 hat ihn längst zum Multimillionär gemacht. Im Februar dieses Jahres verkaufte der frühere Novartis-Manager bei einem Kurs von 25,12 Euro Aktien für 7,5 Millionen Euro. Wenige Tage später sickerte durch, dass die Mehrheitsgesellschafter von Deutschlands größtem Fernsehkonzern, KKR und Permira, noch in diesem Jahr den Ausstieg planten. Ebeling wollte offenbar auf Nummer sicher gehen und rechnete nicht mit einem höheren Aktienkurs.

Tatsächlich ist der Höhenflug des Papiers ein wenig verwunderlich. Denn der Fernsehwerbemarkt stagniert mehr oder weniger. Der digitale Umbau des Konzerns geht voran. Doch bis sich die Sendergruppe aus den Fängen des Werbemarktes befreit hat, wird noch viel Zeit vergehen. Dabei ist immer mehr Akteuren klar, dass das lineare Fernsehen hat seinen Zenit überwunden. Vor allem jüngere Zielgruppe suchen sich ihre Inhalte immer häufiger abseits der Sender im Internet. Darüber kann auch die gestiegene Fernsehnutzung insgesamt nicht hinweg täuschen.

Die Erfolgsgeschichte Pro Sieben Sat 1 darf nicht den Blick auf die Zukunft verstellen. Denn eine Beteiligung an der Unterföhringer Sendergruppe ist eine Wette auf die Zukunft des deutschen Medienmarktes. Das Tafelsilber im Ausland hat Ebeling zum Vorteil seiner bisherigen Großaktionäre längst verkauft. Im Gegensatz zum europäisch agierenden Konkurrenten RTL Group steht und fällt Pro Sieben Sat 1 mit dem deutschen Markt. Das ist riskantes Spiel.

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