Kolumne „Off Screen“
Luxemburger Dukatenesel

RTL füllt mit einer Sonderdividende die Kassen des Mutterkonzerns Bertelsmann. Doch noch fehlt dem Gütersloher Familienkonzern eine zündende Idee, um wieder an die einstigen goldene Zeiten anknüpfen zu können.
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Am Donnerstag nächster Woche wird die Freude in der Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh groß sein. Dann überweist die Deutsche Bank die Sonderdividende des Fernsehkonzerns RTL auf das Konto des ostwestfälischen Familienkonzerns. Das zweitbeste Halbjahresergebnis der RTL-Konzerngeschichte beschert dem Großaktionär Bertelsmann 296 Millionen Euro Sonderdividende. Das ostwestfälische Familienunternehmen ist zu 76,4 Prozent an dem Luxemburger TV-Riesen beteiligt. Zur RTL Group zählen derzeit noch 53 Fernseh- und 28 Radiosender in zehn Ländern.

Der Luxemburger Konzern spielt für die Bertelsmänner die Rolle des Dukatenesels. Die Gütersloher hatten erst Ende April ein RTL-Aktienpaket von 15,9 Prozent für 1,3 Milliarden Euro an der Frankfurter Börse platziert. Zusammen mit der Sonderdividende ist die Kasse der Mohns gut gefüllt.

Das Problem: Wo kann ich in der Medienbranche noch mehr Geld verdienen als im hoch lukrativen Fernsehgeschäft?

Die RTL Group ist mit Abstand rentabelste Konzernbereich bei Bertelsmann. Im ersten Halbjahr lag die Gewinnmarge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) bei fast 20 Prozent. Der Nettogewinn explodierte im ersten Halbjahr gerade zu. Er schnellte um 41 Prozent auf 467 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 331 Millionen) hoch. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe muss also ein Übernahmeobjekt finden, dass noch eine höhere Rendite abwirft.

Mission impossible? Im Konzern wachsen die Zweifel, ob der charismatische Vorstandschef mit seinem engen Vertrauten, Strategievorstand Thomas Hesse, tatsächlich einen realistischen Masterplan in der Schublade hat, der Bertelsmann wieder an die goldenen Zeiten anknüpfen lässt. Im vergangenen Jahrzehnt hatte das Familienunternehmen einen Umsatz- und Bedeutungsverlust hinnehmen müssen. Vor drei Jahren lag beispielsweise der Konzerngewinn bei 656 Millionen. Im vergangenen Jahr sank er auf mittlerweile 619 Millionen Euro.

Bertelsmann braucht ein neues Geschäftsmodell. Vor fast genau einem Jahr hat Rabe auf der Bühne des Gütersloher Stadttheaters eine große Show abgezogen. Ohne Krawatte im offenen Hemd redete er vor 500 Führungskräften in dem futuristischen Kubus viel von Aufbruch und Umbruch. „Die digitale Transformation eröffnet uns eine ganze Vielzahl von Möglichkeiten“, schwärmte der frühere RTL-Finanzvorstand vieldeutig. Er kündigte an, in den USA, dem wichtigsten Medienmarkt der Welt, wieder eine größere Rolle spielen zu wollen. Bildungsmedien, Musikrechtehandel, Online-Anzeigenmarkt oder digitale TV-Produktionen böten, so Rabe damals, Wachstumspotenzial.

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