Kolumne „Off Screen“
Stoppt die Doppelverdiener bei ARD und ZDF

Wenn ARD und ZDF Gebührenehrlichkeit ernst nehmen, müssen die Intendanten auf Zusatzverdienste verzichten. Statt vergeblich auf Freiwilligkeit zu setzen, muss die Politik der Selbstbedienung einen Riegel vorschieben.
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Die Intendanten der ARD reden gerne und oft von Transparenz, denn seit der Einführung der neuen Rundfunkgebühr zu Jahresbeginn ist das Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf einen Tiefpunkt gesunken. Die Führungsriege weiß genau, dass immer mehr Bürger und Unternehmen auf das undurchsichtige und teure System mit 25 000 Angestellten und Zehntausenden von freien Mitarbeitern mit Kopfschütteln reagieren.

Über Jahrzehnte hat sich ein Rundfunkstaat im Staat entwickelt, der bisher nur widerwillig, stückchenweise und auf öffentlichen Druck die Tür zu seinen Finanzen ein wenig öffnet. Dabei gehört die mit 7,5 Milliarden Euro allein an Rundfunkgebühren finanzierten Anstalten dem Bürger. Allein daraus ergibt sich die Notwendigkeit, freiwillig und ausführlich Rechenschaft abzulegen.

Es ist ein Skandal, dass es die Intendanten bislang es nicht geschafft haben, ihre opulenten Zusatzverdienste offen zu legen. Die mehr als 150 Tochterfirmen im Reich von ARD und ZDF bescheren den Führungskräften viele Möglichkeiten zu Doppel- und Dreifachverdiensten. Erst auf Druck des „Spiegel“ legten die Intendanten mit Ausnahme des als konservativ geltenden Chefs des Hessischen Rundfunks, Helmut Reitze, die Zusatzeinnahmen offen. Das Ergebnis ist erschütternd.

Nicht nur das die gerade ausgeschiedene WDR-Intendanten Monika Piel mehr als Bundeskanzlerin Angela Merkel verdient. Nein, die als ARD-Vorsitzende weitgehend erfolglose Rheinländerin durfte sich neben ihren jährlichen Bezügen von 341.500 Euro noch 58.922 Euro an Nebenverdiensten in die Tasche stopfen. Auch der derzeitige ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor schaffte es mit jährlich 27.000 Euro an Nebenverdiensten auf den zweiten Platz innerhalb der ARD.

Der vom „Spiegel“ recherchierte Skandal um die opulenten Doppelverdiener in den Chefetagen der Rundfunkanstalten muss Folgen haben. Der Gesetzgeber und damit die für den Rundfunk zuständigen 16 Bundesländern müssen die Führungskräfte rechtlich zwingen, volle Transparenz bei ihren ordentlichen und weniger ordentlichen Bezügen offen zu legen. Das Prinzip der Freiwilligkeit funktioniert nicht, dass haben die Recherchen des Hamburger Nachrichtenmagazin überdeutlich gezeigt.

Darüber hinaus muss dringend eine Regelung wie bei landeseigenen Unternehmen oder Banken her, wo Minister in Aufsichtsgremien ihre Vergütungen nicht privat einstecken dürfen. Denn das viele Geld der Intendanten, das sie bei Werbetöchtern, Produktionsfirmen und Rechtehandelsunternehmen zusätzlich verdienen, stammt indirekt aus Gebührengeldern. Das ist ein Gebot der Fairness.

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Es gibt Vorbilder in Vergütungsfragen

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  • gefragt war ein whistleblower -
    Anna Terschüren schrieb während ihres Praktikums beim NDR sogar eine Dissertation (verlinkt im Artiekl) über den Sumpf:
    http://www.spiegel.de/kultur/tv/ndr-mitarbeiterin-anna-terschueren-klagt-ard-und-zdf-in-dissertation-an-a-902943.html

  • @ Micha
    Wieder die übliche billige Beamtenschelte !
    Im übrigen, wo haben Sie denn derartige "Insiderkenntnisse" her ?
    Im Artikel gehts um die Gehälter der Aktivbeschäftigten.
    Mir gehts z.B. um die überzogenen Gehälter der Chefs der Sparkassen, der Krankenkassen, kassenärztlichen Vereinigungen u.s.w..Alles behördenähnliche Organisationen, jedoch mit Gehältern, von denen Behördenangehörige nur träumen können.
    Von Ihnen aber offenbar gut geheißen, ooer ?

  • Die Spitzenbeamten sind auch nicht viel besser!
    Betrachtet man da mal die Pensionen für ein paar Jahre Arbeit, kann einem echt übel werden. Dazu noch völlig unnötige "Gefälligkeitbeförderungen" zum Dienstende hin, natürlich so, daß es gerade noch rechtlich zulässig ist. Von der weit überdurchschnittlichen Krankenstandsquote einmal völlig abgesehen sowie wegen Rückenproblemen dauerkrankgeschriebene Beamte die Tennis spielen und Bergsteigen. Burn-out-Beamte, die nebenher 2 Zusatzjobs als Hauptjobs ausüben,. .....
    Sozial gerecht wäre, wie bei Arbeitern und Angestellten auch, eine Pension auf die Lebensarbeitsleistung! Für alles andere fehlt mir hier ein passendes Adjektiv!

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