Kommentar
HSBC: Ein netter kleiner Goldesel

Die HSBC will ihre Canary Wharf-Zentrale von der mit hohen Schulden belasteten Metrovacesa zurückkaufen - und zwar für 25 Prozent weniger, als sie das Gebäude vor einem Jahr verkauft hatte. Der wahre Wert könnte sogar noch unter den veranschlagten 838 Mill. Pfund liegen. Aber HSBC muss noch an eine andere Dynamik denken: Sie hat den Eigentümern des spanischen Immobiliengiganten Kredite vergeben.

Die HSBC kann dem Zusammenbruch des britischen Markts für Gewerbeimmobilien auch etwas Gutes abgewinnen. Die in London ansässige Bank will ihre Zentrale an der Canary Wharf von der mit hohen Schulden belasteten Metrovacesa zurückkaufen - und zwar für 25 Prozent unter dem Preis, zu dem sie das Gebäude im vergangenen Jahr verkauft hatte.

Die Bank ist in einer guten Ausgangslage, um mit dem spanischen Immobiliengiganten hart umzuspringen. Sie hatte der Metrovacesa im vergangenen Mai einen Überbrückungskredit über 810 Mill. Pfund Sterling gewährt, um den bis dahin teuersten Bürogebäude-Deal abzuschließen, den Großbritannien je erlebt hatte. Die spanische Gruppe ächzt unter der Schuldenlast von sieben Mrd. Euro und muss den Fremdkapitalanteil in der Bilanz abbauen. Sie muss sich sputen, denn der Kredit lief am 27. November aus.

Wenn HSBC richtig Druck machen wollte, dann könnte das Kreditinstitut vermutlich auf einem Preis bestehen, der weit unter den veranschlagten 838 Mill. Pfund liegt. Metrovacesa hatte das Gebäude im Mai 2007 für 1,1 Mrd. Pfund in einem Deal gekauft, der ihr eine Rendite von 3,9 Prozent einbrachte. Damals galt dies als überteuert. Wenn man die Rechnung für die jährliche Miete von HSBC über 43,5 Mill. Pfund mit einer Rendite von 4,5 Prozent versieht - ein normaleres Niveau Anfang 2007 -, dann hätte dies einen Wert von 967 Mill. Pfund impliziert. Seitdem sind die Preise gefallen, besonders an der Canary Wharf. Legt man einen Rückgang um 30 Prozent zugrunde, dann sollte HSBC nur 677 Mill. Pfund zahlen.

Die Transaktion ist noch nicht endgültig, und auch Steuerfragen mögen eine Rolle bei der Zahlung eines Aufschlags spielen. Aber ein weiteres Puzzleteilchen besteht darin, dass HSBC zusammen mit zwei spanischen Banken den Sanahujas, der Familie, die 80 Prozent an Metrovacesa hält, einen Kredit über 2,6 Mrd. Euro eingeräumt hat.

Die HSBC fährt einen pragmatischen Kurs. Wenn sie in einen Abschluss zu dem vorgeschlagenen Preis einwilligt, bedeutet dies, dass Metrovacesa in der Lage sein dürfte, die 810 Mill. Pfund zurückzuzahlen. Und für die spanische Gruppe wäre die Transaktion ein doppelter Gewinn, denn für sie bestünde ansonsten die Gefahr, dass die ausgelaufene Fazilität einen Domino-Effekt auf andere ihrer ausstehenden Schulden ausübt.

Alles in allem hat die HSBC einen guten Schnitt gemacht. Der Bau des Gebäudes hatte 500 Mill. Pfund gekostet, es hat beim Verkauf einen Gewinn von 600 Mill. Pfund eingebracht, der an sich schon für einen guten Teil der Rückkauffinanzierung reichen wird. Wenigstens einer kommt gut bei dem Immobiliencrash weg.

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