Konjunktur
Schatten über der britischen Insel

Die Bank of England prognostiziert einen scharfen Rückgang der britischen Konjunktur und spielt mit dem Gedanken die Leitzinsen zu senken, auch wenn dadurch die Inflation leicht ansteigen könnte. Nach Notenbankgouverneur Mervyn King präsentiert sich Großbritannien damit als “blasser Schatten” der Vereinigten Staaten. Der Schatten dürfte noch dunkler werden.

Mervyn King, Gouverneur der Bank of England, malte heute ein trübes Bild der Konjunkturaussichten in Großbritannien. Er warnte vor einem “scharfen" Rückgang des Wirtschaftswachstums – bis Mitte 2008 auf unter 2% – bei leicht ansteigenden Inflationsraten, die durch den Anstieg der Rohstoffpreise getrieben würden. Er deutete weitere Risiken an, durch die auch eine stärkere Abwärtsbewegung der Wirtschaft nicht auszuschließen sei. Vielleicht war King aber noch nicht pessimistisch genug. Den Einfluss des schwachen Marktes für Wohnungsbauten auf die Konsumausgaben jedenfalls spielte er herunter.

Die Wirtschaftsprognosen der Zentralbank sind seit August merklich trüber geworden. "Schärfere Kreditkonditionen" und “die Wahrscheinlichkeit eines weltweiten Konjunkturrückgangs" sind nach King die neuen Fakten. Der Konjunkturrückschlag für die zuvor boomende Weltwirtschaft kommt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, pflanzt sich aber über die Handelskanäle und den fallenden Dollar rund um den Globus fort. Das britische Pfund, immer noch auf einem 26-Jahres-Hoch gegenüber dem Dollar, ist in den USA keine Stütze für die britische Wirtschaft.

Aber die Gründe für die Wirtschaftsflaute sind auch hausgemacht: fünf Zinsanhebungen in Folge und Turbulenzen auf den Kreditmärkten während die rückläufige Liquidität so manchen in die Bredouille brachte, so zum Beipiel Northern Rock. Geld sprudelt nicht mehr so üppig in der britischen Wirtschaft. Die Preise für Wohnungsbauten haben ihren Zenit erreicht. Ein schlechtes Zeichen?

Nicht unbedingt, nach Ansicht Kings. Zwar bestätigte er die Rolle der Immobilien als "Sicherheit“ für Kredite (und Konsumausgaben), vertrat aber auch die Meinung, dass die jahrelangen Preissteigerungen auf dem Immobilienmarkt heute "schon einen signifikanten Rückgang der Preise für Wohnungsbauten“ erforderten, um das Wirtschaftswachstum deutlich zu bremsen. Diese beruhigende Interpretation strafen die bankeigenen Analysten Lügen. Die Verbindung zwischen Immobilienpreisen, Kapitalabzügen bei Hypotheken und Konsumausgaben der britischen Verbraucher ist unangenehm eng. Wenn die jüngst zu beobachtenden Preisrückgänge auf dem Markt für privates Wohneigentum weiter anhalten, gibt es wenig Zweifel, dass Kings "Abwärtsrisiken“ Realität werden.

Obwohl die Inflation etwas über das Ziel hinausschießen könnte, kündigt die Notenbank für 2008 also noch zwei bis drei Zinssenkungen um je einen Viertelprozentpunkt an. Sie könnte gezwungen sein, schon früher zu handeln und stärker einzugreifen. Großbritanniens Immobilienboom, verschuldete Konsumenten und Handelsbilanzdefizit sind für King "ein blasser Schatten der USA“. Wenn die Zinssenkungen aber den Hauspreisen nicht neuen Auftrieb geben wird der britische Schatten der amerikanischen Wirtschaft alles andere als blass ausfallen.

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