Konsum: Britische Einzelhändler bereiten sich auf den Sturm vor

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Britische Einzelhändler bereiten sich auf den Sturm vor

Vielleicht ist es kein ausgewachsener Sturm, aber doch nahe dran. Die britische Inflationsrate hat zugelegt und sie wird weiter klettern. Die Immobilienpreise steigen inzwischen nicht mehr – haben aber die Reserven der Konsumenten empfindlich angegriffen. Hinzu kommt die Kreditkrise, die dafür sorgt, dass die Banken sich mit Ausleihungen zurückhalten. Weitere schlechte Nachrichten von der Einzelhandelsfront sind zu erwarten.

Marks & Spencer, die größte britische Bekleidungskette, und Tesco, der größte Nahrungsmitteleinzelhändler, legten beide enttäuschende Umsatzzahlen aus dem Weihnachtsgeschäft vor. „Wir müssen uns auf den Sturm vorbereiten”, sagt der Vorstandsvorsitzende von Marks & Spencer, Stuart Rose. Sein Problem: genau das machen auch die Verbraucher. Andrew Higginson, Finanzchef bei Tesco, kennt die Lösung. “Die Bank of England muss die Zinssätze senken”, verkündete er am Dienstag. Aber auch wenn die Zentralbank sich willig zeigt, der Versuch, die Wogen zu glätten, könnte fehlschlagen.

Der globale Wind hat sich gedreht und der aufziehende Sturm sieht für Großbritannien nicht gut aus. Die größten Sorgen machen fallende Immobilienpreise. Steigende Eigenheimpreise und steigende Konsumausgaben hängen eng miteinander zusammen – Eigenheimbesitzer nehmen vor dem Hintergrund steigender Immobilienpreise mehr Kredit für Konsumzwecke auf, ein Phänomen, das auch als „Mortgage Equity Withdrawal“ bekannt ist. Bleiben die Eigenheimpreise stabil oder sinken sie sogar, versiegt dieser Effekt. Die Nachfrage nach Möbeln und Finanzierungen fällt und das Verbrauchervertrauen insgesamt sinkt.

Aber es gibt auch neue Probleme an anderen Fronten. Durch die Kreditkrise sind die Banken bei der Kreditvergabe zurückhaltender geworden. Hinzu kommt die anhaltende Inflation. Und obwohl sich in den Vereinigten Staaten, Japan und Europa Rezessionsängste breit machen, verharren die Ölpreise auf sehr hohem Niveau. Gleichzeitig steigen die Nahrungsmittelpreise. Die aufstrebenden Volkswirtschaften, allen voran China, sorgen zudem für eine Veränderung des weltweiten Klimas. Die alten Industrienationen haben dadurch ihren Inflations-Freifahrtschein verloren.

Der Sturm an mehreren Fronten ist beunruhigend. Die Wachstumsrate der Großhandelspreise liegt in Großbritannien so hoch wie seit 1991 nicht mehr, obwohl das britische Pfund im November seinen höchsten Stand gegenüber dem Dollar seit 1981 ereichte, wodurch die importierte Inflation eigentlich begrenzt worden sein sollte. Jetzt, nachdem das Pfund nachgibt, wird die Verbraucherpreisinflation nicht auf dem Niveau von 2,1 Prozent, wie am Dienstag gemeldet, verharren. Die Bank of England kann nur vorsichtig gegensteuern.

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