Konsum in Deutschland
Alt und kinderlos – deutsche Konsumnachfrage lässt nach

Es sind mal wieder die vorsichtigen Verbraucher, die am Rückgang des deutschen BIP im zweiten Quartal schuld sind. Nichts Neues, also. Was soll eine sinkende, alternde Bevölkerung, mit wenigen Immigranten schon groß ausgeben. Das bedeutet aber auch: Die dynamischere demographische Entwicklung in den USA führt tendenziell zu einem höheren Wirtschaftswachstum als in Good Old Europe.

Dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,5 Prozent schrumpfte, wird vor allem den Verbrauchern zur Last gelegt, die 0,7 Prozent weniger konsumierten. Auch wenn das deutsche Inlandsprodukt zum ersten Mal seit 2004 geringer ausfiel als im Vorquartal, so ist es doch nichts Neues, dass die deutschen Konsumenten zu sparsam sind. In vier der vergangenen sechs Quartale waren die deutschen Konsumausgaben rückläufig. Und der schleppende Konsum wird wohl auch nicht verschwinden, wenn die Konjunktur wieder anzieht.

Schuld an den schwachbrüstigen Verbrauchern ist die deutsche Demographie. Deutschland schrumpft. Eurostat, das europäische Amt für Statistik, prognostiziert einen Rückgang der deutschen Bevölkerung von heute 82 Millionen auf weniger als 71 Millionen Menschen im Jahr 2060. Wenn der Trend sich nicht ändert, werden im nächsten halben Jahrhundert mehr Deutsche sterben als geboren werden. Das bedeutet, es werden weniger Schulen und weniger Häuser gebraucht, aber auch dass weniger junge Arbeitnehmer die Ressourcen schaffen, um die Alten zu unterstützen.

Die US-amerikanische Bevölkerung wächst dagegen schnell. Das amerikanische Census Bureau erwartet, dass die Bevölkerung zwischen 1990 und 2050 um 50 Prozent auf 392 Millionen Menschen anwächst. Die sehr viel höheren Immigrationsraten erklären einen Teil der Differenz, aber der Hauptgrund liegt in den höheren Fruchtbarkeitsraten in den USA. Während die Durchschnittsfrau in Deutschland 1,37 Kinder hat, sind es bei den amerikanischen Frauen mehr als 2. Das deutsche Muster aus geringer Immigration und wenigen Geburten spiegelt sich in vielen anderen kontinentaleuropäischen Ländern, wenn auch weniger in Großbritannien. Das Durchschnittsalter der Europäer soll den Prognosen zufolge bis 2060 von heute 40 Jahren auf 48 ansteigen.

Die unterschiedlichen demographischen Trends finden in der Wirtschaftsentwicklung ihre Entsprechung. Zwei Jahre lang wanderte die US-amerikanische Wirtschaft am Rande des Konjunkturabgrunds, aber die jungen Amerikaner haben ihr Geld beim Shopping ausgegeben und sind nicht untergegangen. Die Konsumausgaben sind in keinem Quartal gesunken. Auf der anderen Seite des Ozeans schrumpft die deutsche Wirtschaft, weil die Exporte nachgelassen haben und die Investitionen allmählich die Vorsicht der alternden, sparsamen Konsumenten widerspiegeln.

Das könnte sich kurzfristig ändern, wenn die ausländischen Kreditgeber die Schuldnernation USA nicht länger finanzieren wollen und die Amerikaner zwingen mehr zu sparen und weniger auszugeben. Aber über die Zeit, und wenn sich die demographischen Muster nicht dramatisch ändern - und Europa zum Beispiel höhere Immigration zulässt - ,werden die USA schneller wachsen als das lahme alte Europa. Wer weiß, vielleicht bleiben die Amerikaner damit ja auch weiterhin attraktiv für die europäischen Ersparnisse.

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