Kostenpflichtige Online-Nachrichten
Murdoch wagt den Sprung

Der Medienmogul will durchziehen, wovon seine Konkurrenz nur zu träumen wagt – Online-Nachrichten nur noch kostenpflichtig zur Verfügung zu stellen. Die schwächelnde Branche braucht einen starken Mitstreiter, der allen anderen vorangeht. Aber der Schritt ist riskant.
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Rupert Murdochs Versprechen, das Zeitalter der für alle frei verfügbaren Nachrichten zu beenden, ist mutig, aber riskant. Der Medienmogul will bei News Corp. durchziehen, wovon seine Konkurrenten nur zu träumen wagen - er will den Online-Nachrichtenzugang nur noch gegen Bezahlung gewähren. Die schwächelnde Branche musste mitansehen, wie ihre Gewinne mit dem Vormarsch des Internets schwanden, ein Trend, den die Rezession noch beschleunigte. Jetzt brauchen die Medien einen starken Mitstreiter, der den ersten Schritt macht. Aber selbst für Murdoch ist der Vorstoß riskant.

Mit dem nun verkündeten Entschluss macht Murdoch, der viele Jahre öffentlich über verschiedene Nachrichtenmodelle nachdachte, so etwas wie eine Kehrtwende. Kurz nachdem er auf dem Gipfel des Knjunkturzyklusses 2007 Dow Jones übernahm, spielte er mit dem Gedanken, von Lesern keine Gebühren mehr für den Zugang zu wsj.com, eine der wenigen kostenpflichtigen Nachrichtenseiten, zu verlangen. Stattdessen wollte er zu einem anzeigenfinanzierten Modell wechseln. Die Idee legte Murdoch jedoch schnell wieder zu den Akten. Inzwischen hat der scharfe Konjunktureinbruch zu einem drastischen Rückgang der Anzeigenumsätze geführt und Murdoch liebäugelt nun mit einem Preissystem, dass einheitlich für weite Teile seines Zeitungsimperiums gelten soll.

Den Wenigsten ist es bisher gelungen, ihr Online-Nachrichtenangebot zu verkaufen. Den größten Erfolg haben noch Finanzjournalisten, unter denen FT.com und Breakingviews.com Nachrichtenabonnements verkaufen, die dem wsj.com-Modell entsprechen. Aber auch sie stehen vor einigen Herausforderungen.

Außerhalb der Finanzarena ist es noch schwieriger, Leser davon zu überzeugen, für Nachrichten zu bezahlen. Eine Chance haben hier nur Publikationen, die qualitativ hochwertige und abweichende Inhalte zu bieten haben - deren Finanzierung gleichzeitig schwieriger wird, da die Redaktionsbudgets zusammengestrichen werden.

Um der Gerechtigkeit willen muss man jedoch auch zugeben, dass Murdoch vorhat, weiter in den Journalismus zu investieren. Das könnte seinen Titeln einen Vorsprung verschaffen. Ein konkretes Geschäftsmodell ist er allerdings noch schuldig - zum Beispiel, ob er an ein Abonnentenmodell denkt oder sich den Abruf einzelner Artikel bezahlen lassen will. Und selbst wenn er alle Einzelheiten ausgetüftelt hat, bleibt es noch immer fraglich, ob die Konkurrenz ihm folgen wird.

Während einige Wettbewerber sehnsüchtig darauf warten, endlich Preismodelle für ihre Online-Inhalte einzuführen, dürften andere ihre Chance darin sehen, weiterhin kostenfrei anzubieten und so Marktanteile hinzuzugewinnen. Aber selbst wenn die traditionellen Konkurrenten tatsächlich schnell nachziehen, werden viele Leser zu freien Nachrichtenseiten wie BBC oder CNN wechseln, um ihren täglichen Bedarf nach einem schellen Nachrichtenüberblick über die wichtigsten Schlagzeilen zu decken.

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