KPMG/Wirtschaftsprüfer
Geprüft und nicht für gut befunden

Wird jetzt den Wirtschaftsprüfern der Schwarze Peter für die Subprime-Krise zugeschoben? Ein neuer Bericht, der die Rolle von KPMG beim Niedergang des insolventen Hypothekenfinanzierers New Century kritisch beleuchtet, lässt dies wahrscheinlich erscheinen. Wenn dem so ist, dann ist KPMG selbst schuld.

KPMG hat sich bei ihrer Arbeit für New Century Financial nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Zu diesem Schluss kommt zumindest der 580 Seiten starke Bericht, den das Gericht in Auftrag gegeben hat, das über die Insolvenz des Subprime-Hypothekenfinanzierers zu befinden hat. Darin wird behauptet, dass KPMG stillschweigend – und trotz der Proteste interner Experten - über die “unlauteren und unklugen Praktiken” von New Century hinweggesehen hat, um den Klienten nicht zu verärgern oder gar zu vergraulen.

Wenn die gesamte Branche der Wirtschaftsprüfer nun wegen ihrer Rolle bei der Subprime-Kernschmelze ins juristische Fadenkreuz gerät, dann wird KPMG einen großen Teil der Verantwortung dafür tragen müssen. Nach den Skandalen um Enron, Parmalat und WorldCom sollten gerade und vor allem die Wirtschaftsprüfer wissen, wie wichtig ein korrekter und unnachgiebiger Umgang mit in Schwierigkeiten geratenen Klienten ist.

Laut dem Untersuchungsbericht hat KPMG zu den Fehlern von New Century, die im April 2007 Insolvenz beantragt hatte, beigetragen, indem die Prüfer in Abweichungen des Finanzierers von den allgemeinen Bilanzierungsrichtlinien eingewilligt haben. Als ein interner Spezialist am Vorabend einer Veröffentlichung der Bilanzen Einwände gegen eine bestimmte Vorgehensweise vorgebracht hatte – die das Unternehmen später tatsächlich rückgängig machen musste -, schrieb der für die Kundenbeziehung zuständige Wirtschaftsprüfer in einer E-Mail als Antwort: „Was mich betrifft, so sind wir damit fertig. Der Klient denkt, wir sind fertig. Damit würden wir nur alle ankotzen.”

Vertreter von KPMG setzen sich gegen die Schlussfolgerungen des Berichts zur Wehr. Aber selbst wenn sie nur teilweise zutreffen, hat die Firma Schmähungen verdient. Erstens einmal sollten sich nach den Bilanzierungsskandalen, die vor sechs Jahren Arthur Andersen zu Fall gebracht hatten, die verbleibenden Firmen jederzeit eindringlich ins Bewusstsein rufen, dass sie ihre Lizenz gefährden, wenn sie Abkürzungen nehmen – auch wenn sie im Auftrag eines noch so lukrativen Kunden handeln sollten.

Zweitens hat kein anderer professioneller Dienstleister eine solche Macht über seine Kunden. Trennt sich ein Unternehmen von seinem Wirtschaftsprüfer oder dringen Streitigkeiten mit ihm an die Öffentlichkeit, geraten schnell die firmeneigenen Probleme ins Rampenlicht. Das musste AIG im vergangenen Monat erfahren, nachdem die Prüfer von PricewaterhouseCoopers die Bewertung des Kreditderivate-Portfolios der Versicherung in Frage gestellt hatten. Sofort verloren die AIG-Aktien elf Prozent. Und schließlich haben die Unternehmen auch keine große Auswahl: Die „großen Vier“ unter den Wirtschaftsprüfern sind wirklich nur vier an der Zahl.

Zugegeben, der Niedergang von New Century war hausgemacht. Aber der Bericht lässt beunruhigende Fragen aufkommen, wie stark KMPG bereit war, den Kotau zu machen. Die Unternehmen können Anwälte gegen Anwälte und Banker gegen Banker ausspielen, sie können mit lukrativen Aufträgen locken und die ausgrenzen, die nicht spuren. Dies bei den Wirtschaftsprüfern zu versuchen, ist viel schwieriger. Von ihnen sollte man mehr erwarten können.

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