Kraft/Cadbury
Die transatlantische „Kraft“-Probe

Der Übernahmekampf um Cadbury nimmt Shakespeare’sche Züge an. Der britische Süßwarenhersteller hat sich an die Regulierungsbehörden gewandt, um Kraft Foods zu zwingen, ein formales Übernahmeangebot zu unterbreiten oder sich von der Sache zu verabschieden. Vor gerade einmal drei Wochen hat der US-Gigant für Cadbury 10,2 Mrd. Pfund in Aktien und Cash geboten.
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Der Übernahmekampf um Cadbury nimmt Shakespeare?sche Züge an. Der britische Süßwarenhersteller hat sich an die Regulierungsbehörden gewandt, um Kraft Foods zu zwingen, ein formales Übernahmeangebot zu unterbreiten oder sich von der Sache zu verabschieden. Vor gerade einmal drei Wochen hat der US-Gigant für Cadbury 10,2 Mrd. Pfund in Aktien und Cash geboten.

Cadburys Ruf nach einer Entscheidung scheint voreilig. Doch der Schachzug ist clever. Kraft meint sein Angebot ernst. Cadbury dagegen wirkt, als würde es belagert. Eine so unsichere Lage kann schnell die Lieferantenbeziehungen trüben und das Personal zu unlauteren Handlungen verlocken. Allein deshalb sollte die britische Kartellbehörde der Anfrage zustimmen.

Auch im Hinblick auf andere Bieter ist die Taktik gut gewählt - wenn auch viel von der gewährten Entscheidungsfrist bleibt. Cadbury-Aktien wurden seit der Offerte über dem Wert des Kraft?schen Angebots gehandelt. Mit jeden Tag steigt das Marktrisiko. Die Stimmung ist kippelig. Besitzer langlaufender Aktien werden unruhig und neigen zum Verkauf an Arbitrageure.

Rivalisierende Bieter werden sich dagegen mit ihrem Angriff zurückhalten, bis Kraft den nächsten Schritt wagt. In der Zwischenzeit wird sich das Fehlen eines Gegenangebots negativ auf Cadburys Aktienkurs auswirken.

Die Behörde sollte sicherstellen, dass die Abgabefrist für Kraft auch genug Zeit lässt, um Gegenofferten zu unterbreiten. Trotzdem muss man die Sache nicht hinauszögern. Kandidaten wie Hershey und Nestle werden auf solch ein Szenario vorbereitet sein.

Dank der öffentlich aggressiven Haltung von Kraft weiß Cadbury zudem, dass der Interessent nur ungern mit leeren Händen gehen wird. Dennoch braucht Kraft Zeit, um die Meinung seiner Aktionäre - darunter auch Warren Buffett - einzuholen und die Finanzierung des bei etwa 40 Prozent liegenden Cash-Anteils an seinem Angebot zu organisieren.

Es muss nicht notwendigerweise Hamlet werden. Wenn die Zusage für den letzten Akt bis Anfang November eingeht, könnte die Tragödie noch abgewendet werden.

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