Kreditderivate
CDS-Untersuchung: Zangenangriff

Das US-Justizministerium untersucht mögliche Regelverstöße auf dem Markt für Kreditderivate und hat Banken, denen der Datenanbieter Markit gehört, um entsprechende Auskünfte ersucht. Seine juristischen Optionen sind zwar nicht eindeutig, aber die Fähigkeit des Ministeriums, die Marktteilnehmer in Verlegenheit zu bringen, könnte das locker regulierte Umfeld gefährden, das die Derivate-Händler bevorzugen.
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Christine Varney scheint zu ihrem Wort zu stehen. Die neue Kartellrechtschefin im US-Justizministerium hatte jüngst versprochen, bei wettbewerbswidrigem Verhalten und anderen Missetaten an der Wall Street hart durchgreifen zu wollen. Jetzt ersucht das Ministerium bei einigen Firmen, denen der Datenanbieter Markit gehört, um Auskünfte. Das Ministerium untersucht mögliche Verstöße auf dem Markt für Kreditderivate.

Welche juristischen Optionen das Justizministerium hat, ist nicht eindeutig. Aber seine Fähigkeit, die Teilnehmer in Verlegenheit zu bringen, könnte das locker regulierte Umfeld gefährden, das die Derivate-Händler so schätzen. Und zwar genau zu einer Zeit, zu der die US-Gesetzgeber selbst darüber nachdenken, wie man den privat organisierten Markt regulieren könnte.

Der in London ansässige Datenanbieter Markit zählt etwa 19 Institute der Kauf- und Verkaufsseite zu seinen Eigentümern, darunter JP Morgan, Bank of America und Goldman Sachs. Auch an diesen Dienst ist das Justizministerium mit der Bitte um Informationen herangetreten. Markit will allerdings nicht darauf eingehen, um welche Auskünfte genau das Justizministerium gebeten hat.

Einige Medienberichte lassen allerdings darauf schließen, dass die US-Regierung wissen will, ob die Eigentümer von Markit sich Vorteile aus den Kursinformationen verschafft haben, mit denen sie den Datenanbieter versorgen, bevor diese einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurden.

Das Ministerium wird sich ranhalten müssen. Zunächst einmal verlässt sich Markit gewöhnlich nicht auf eine Kursquelle, sondern erhält Daten von einer Reihe von Händlern, wobei die Ausreißer nach oben oder unten gestrichen werden. Wenn eine Bank das System überlisten möchte, indem sie einen extremen Kurs einreicht, um einen Handelsabschluss zu unterstützen, dann müsste sie wahrscheinlich damit rechnen, dass dieser bei der Kursfindung nicht berücksichtigt werden würde.

Zudem unterstehen die Märkte für Kreditderivate keiner direkten Aufsicht. Das bedeutet, dass die Branchenwächter - abgesehen von Betrug und anderen Missetaten, die von der allgemeinen Gesetzgebung abgedeckt werden - nicht viel gegen zweifelhaft erscheinende Praktiken unternehmen können.

Doch da im US-Kongress gerade über ein scharfes Vorgehen gegen Derivate aller Arten diskutiert wird, könnte sich aus jedem noch so kleinen Hinweis auf ein Fehlverhalten ein mächtiger Rückschlag für die Banken entwickeln, die alles daran setzen, die Gesetzgeber davon zu überzeugen, dass sie sich weitgehend selbst kontrollieren können.

Tatsächlich könnte es sich bei der Untersuchung des Justizministeriums und den Reformvorschlägen der Regierung um die zwei Flanken eines Zangenangriffs der Regierung von US-Präsident Obama handeln, mit dem der Markt gefügig gemacht werden soll.

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