Kreditderivate
Trennen, was verbindet

Der Nennwert des Markts für Kreditausfallderivate ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres tatsächlich gesunken – auf „lediglich” 55 Bill. Dollar. Das ist ein gutes Zeichen, um unnötige Schwierigkeiten von dem Markt fernzuhalten. Aber dies bedeutet nicht, dass weniger Risiken eingegangen würden.

Der Markt für Credit Default Swaps (CDS) ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres tatsächlich geschrumpft - auf "nur" 55 Bill. Dollar. Das ist ein Grund zum Aufatmen, denn diese Kreditderivate zum Handeln von Ausfallrisiken von Krediten und Anleihen befinden sich im Fadenkreuz der Aufsichtsbehörden und waren teilweise für die finanziellen Schwierigkeiten von Bear Stearns und American International Group (AIG) verantwortlich gemacht worden. Doch während dies als ein gutes Zeichen gewertet werden mag, dass unnötiger Ärger vom Markt ferngehalten wird, werden immer noch mehr und mehr Risiken eingegangen. Und die Marktregulierer werden wahrscheinlich so schnell nicht nachgeben.

Die genannte Zahl spiegelt das gesamte Kreditengagement sämtlicher global umlaufender CDS-Kontrakte wider. Sie ist gegenüber dem Betrag von 62 Bill. Dollar, der Ende 2007 erreicht worden war, um zwölf Prozent gefallen, wie Umfragen der International Swaps and Derivatives Association zu entnehmen ist. Das ist gut - bedeutet dies doch, dass da draußen weniger CDS-Kontrakte herumgereicht werden, wodurch weniger logistische Irrtümer und rechtliche Verstrickungen zu erwarten sind.

Sie zeigt allerdings nicht, dass sich der Handel mit diesen Papieren verlangsamt hätte. Berechnungen von Markit, einer Gruppe, die Daten zu den Derivat-Märkten auswertet, zeigen, dass die monatlichen CDS-Aktivitäten im ersten Halbjahr immer noch Aufwärtstendenzen aufwiesen, wenn auch keine Rekordhochs mehr erreicht wurden. Aber die Branche hat sich auch bei dem Versuch ganz besonders ins Zeug gelegt, ausgleichende Positionen zu neutralisieren, die sonst gesondert erfasst worden wären. Trioptima, eine Firma, die bei diesem Prozess behilflich ist, hat im Berichtszeitraum "Aufkündigungen" dieser Art über 17 Bill. Dollar vorgenommen.

Diese Positionen wieder hinzuzuaddieren, würde wahrscheinlich einen realistischeren Vergleich mit den Zahlen vom Ende des vergangenen Jahres liefern. Unter dieser Voraussetzung wäre das nominelle ausstehende CDS-Engagement zwischen Dezember und Juni um 16 Prozent auf 72 Bill. Dollar gestiegen.

Damit wird das tatsächlich eingegangene Risiko enorm übertrieben dargestellt. Es ist keine exakte Wissenschaft, aber die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich geht davon aus, dass der Marktwert der ausstehenden CDS-Kontrakte im Dezember 3,5 Prozent des zugrunde liegenden Engagements betragen hatte. Wendet man dies auf die Zahl von 72 Bill. Dollar an, dann könnte der Marktwert der CDS-Kontrakte per Ende Juni bei etwa 2,5 Bill. Dollar gelegen haben.

Das hört sich schon nicht mehr so beängstigend an, aber es ist immer noch viel Geld, das gewonnen und verloren werden kann - zusammen mit der zusätzlichen Sorge darüber, dass ins Straucheln geratene CDS-Handelspartner eventuell ihre Kontrakte nicht ausgleichen. Daher, und besonders nach den Vorfällen bei Bear Stearns und AIG, dürfte der private CDS-Markt wahrscheinlich einer genaueren Beobachtung durch die Aufsichtsbehörden nicht entkommen.

Jüngste Wortmeldungen seitens der Aufsichtsbehörden für die Versicherungsbranche des US-Bundesstaats New York und der US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission mögen zu wenig oder zu gar nichts führen. Aber wenigstens könnten sie die CDS-Industrie dazu ermutigen, die praktische Lösung, die die Federal Reserve von New York bevorzugt, schnell voranzutreiben, um den Markt zu straffen und systemische Gefahren zu reduzieren: Sie sollten eine zentrale Abrechnungsstelle einrichten.

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